Fragt man Kinder, ob es wohl heutzutage noch Ordensritter gibt, so erhält man als Antwort meist ein überzeugtes "Nein". Wer am Tag der deutschen Einheit zufällig an der Nürnberger Jakobskirche vorbeiflanierte, konnte sich vom Gegenteil überzeugen: Die vier noch in Franken tätigen geistlichen Ritterorden feierten dort einen gemeinsamen Gottesdienst. Der evangelische Johanniterorden, der Souveräne Malteser Orden, der Deutsche Orden St. Mariens in Jerusalem sowie der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem pflegen bereits seit über 20 Jahren die ökumenische Begegnung.
"Wir müssen den Wunsch Jesu - `ut unum sint - dass sie eins sein mögen´ - erfüllen", betonte Dr. Peter Landendörfer vom Souveränen Malteser Orden bei der Begrüßung. "Uns vereint der Auftrag des Evangeliums zum Engagement für die Armen und Ausgegrenzten!" Herzlich hieß auch Pfarrerin Simone Hahn von St. Jakob die versammelten Ritter willkommen. "Von dem, was Sie tun, geht Faszination aus," sagte sie. "Der Geist Gottes möge dazu beitragen, dass dies lange so bleibt!"
Das Rittertum sei eine Episode in der Geschichte gewesen, meinte Oberkirchenrat i.R. Dr. Ernst Dietrich Bezzel in seiner Predigt. Die heute noch existierenden geistlichen Ritterorden hätten sich gewandelt. "Sie müssen sich aber nicht neu erfinden, sondern können auf bewährte christliche Traditionen zurückgreifen,“ sagte Bezzel. "Moderne Ritter kämpfen nicht gegen andere Religionen, sie kämpfen gegen den Unglauben, gegen Hoffnungslosigkeit und gegen die elementare Not der Menschen." Der Gott der Liebe spreche zu allen gleichermaßen und fordere sie auf, einzutreten für das Evangelium des Friedens. Als Vorbild nannte er den heiligen Martin. "Er hat nach dem Jesus-Wort gehandelt: `Was er einem meiner geringsten Brüder getan hat, das hat er mir getan`," sagte der Kirchenrat.
Einen Einblick in die Arbeit und Funktionsweise der römischen Kurie gab Mag. Dr. Christoph Kühn beim Vortrag nach dem Gottesdienst. Als bisheriger Leiter der deutschsprachigen Abteilung im päpstlichen Staatssekretariat, jetzt Nuntiaturrat an der päpstlichen Botschaft in Wien ist er ein absoluter " Insider", der alle Gepflogenheiten kennt. Der Heilige Stuhl, eine Institution, die letztlich auf die Zeit des Apostels Petrus zurückgehe, sei seit vielen Jahren ein echter "Global Player" in Sachen Frieden, Entwicklung und Gerechtigkeit. "Er unterhält diplomatische Beziehungen zu 178 Staaten in der Welt, bei den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen hat er einen Beobachterstatus," sagte Kühn, und fügte bedeutungsvoll hinzu: "Als Subjekt des selbstständigen Völkerrechts, das auf der internationalen Bühne präsent ist und einem Staat gleich behandelt wird, gilt der Heilige Stuhl als eine souveräne moralische Autorität in der Völkergemeinschaft!" Oberstes Ziel aller Bemühungen sei - laut kirchlichem Gesetzbuch - das Heil der Seelen, dies müsse allen Institutionen der Kirche bei allen Fragen vor Augen stehen.
Csr. Birgit Grabner