Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

"Der Friede ist das Werk der Gerechtigkeit" - Provinztag der Bayerischen Ordensprovinz

Mit spätsommerlichem Sonnenschein und südländischem Flair empfing die Stadt Regensburg am 26. September 2009 die rund 120 Teilnehmer des bayerischen Ordensprovinztages. Kirchenführungen im Dom und in der Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle standen am Anfang des Programms. Es folgte ein Festvortrag von Professor Dr. Jörg Althammer. Den Abschluss des Ordensprovinztages bildete ein Pontifikalamt mit S.E. Bischof Gerhard Ludwig Müller in der Basilika Unsere Liebe Frau zur Alten Kapelle.

Die Alte Kapelle zählt zu einer der prachtvollsten Kirchen des Rokoko in ganz Bayern. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 875. Regensburger Tradition zufolge gilt die Stiftskirche als Keimzelle der Kirche. Der Legende nach hat der Hl. Bischof Rupert, der Gründer des Bistums Salzburg, die Kapelle aus einem Heidentempel in ein Marienheiligtum umgewandelt und darin den Agilolfingerherzog Theodo samt dessen Hofstaat getauft. Dem zufolge hat die Christianisierung Bayerns von hier ihren Ursprung genommen. 

Auch der bayerische Ordenspräsident Dr. Bernhard Mauser hob bei der Begrüßung der Ordensmitglieder und ihrer Angehörigen die tief verwurzelte geistliche Tradition des Bistums Regensburg hervor.  Zum Festvortrag war Dr. Jörg Althammer, Professor für Wirtschafts-und Unternehmensethik an der Katholischen Universität Eichstätt, geladen. Er sprach zum Thema: "Die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit auf dem Prüfstand".  Althammer betonte die Schärfe der Kritik Papst Leos XIII. am Kapitalismus: "Der Papst stand in seinen Ausführungen der marxistischen Kritik in nichts nach. Allerdings hat er nicht den Fehler gemacht, die nachweislich falsche Gesellschaftsanalyse des Marxismus zu übernehmen." Bis heute fordere die Katholische Soziallehre die Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer. Dr. Mauser betonte in seinem Dank an Althammer die Aktualität der Gerechtigkeitsfrage, gerade jetzt in der Wirtschaftskrise und nahm Bezug auf den Armutsbericht der Bundesrepublik: "In der Stadt Nürnberg sind 18 Prozent der Kinder von Armut betroffen! Angesichts der horrend hohen Boni, die so mancher Banker trotz Misswirtschaft kassiert, muss man sicher eine Gerechtigkeitslücke konstatieren", sagte er. Soziale Gerechtigkeit habe aber auch mit den Verhältnissen im Heiligen Land zu tun. Dr. Mauser abschließend: " Opus justitiae pax - der Friede ist das Werk der Gerechtigkeit- nichts sehnlicher wünschen wir uns als den Frieden im Heiligen Land und den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft!" 

Beim Pontifikalamt in der Basilika Unsere Liebe Frau zur Alten Kapelle rief Bischof Gerhard Ludwig Müller die Grabesritter auf,  die Unterstützung der Christen im Hl. Land zu verstärken.  "Angesichts der großen Not nach dem Gazakrieg müssen wir den christlichen Einsatz verdoppeln und verdreifachen!" betonte Müller. Darüber hinaus warnte der Oberhirte vor den zerstörerischen Kräften des Säkularismus, des Materialismus und des Nihilismus. Doch letzten Endes siege bei uns Christen die Zuversicht: "Viele große Reiche sind entstanden und vergangen. So ist es aber nicht mit der Kirche Christi, sie wird durch die Ewigkeit Gottes bestimmt!" Der Glaube sei kein Mythos in geschichtlicher Verkleidung, sondern beruhe auf historischen Tatsachen.  "Die Kirche ist keine beliebige Weltanschauungsgemeinschaft, die sich aus irgendwelchen Ideen aus dem Altertum zusammenkonstruiert! Die Kirche ist der Leib Christi!" schloss der Bischof.   Für die Freude am Glauben und für  ästhetischen Genuss sorgten mit ihren schönen Knabenstimmen die Regensburger Domspatzen.

Sr. Birgit Grabner

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