Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Auf den Spuren der Bibel - Pilgerreise der Komtureien München und Augsburg ins Heilige Land

Am Samstag, dem 31.10.2009, machten sich Mitglieder und Gäste der Komturei München und Augsburg auf den Weg, um zu den Heiligen Orten des Neuen und Alten Testamentes zu pilgern. Nach Ankunft am Flughaften von Tel Aviv am Nachmittag desselben Tages und nach einer für israelische Verhältnisse fast reibungslosen Einreise fuhr die Pilgergruppe unter Leitung des leitenden Komturs von München und Freising Folker Müller zur ersten Übernachtungsstation, dem Hotel Bali in Tiberias am See Genesareth.

Von dort aus war es nicht weit zu den Heiligen Stätten, die an diesem Tag auf dem Plan standen. So begann der Tag mit dem Besuch der Kirche „der Hochzeit von Kanaan“ in Kana, wo der geistliche Leiter Prälat Konrad Hölzl, Dompfarrer und Prior der Komturei Augsburg, das dazugehörige Evangelium und einige tiefgehende Gedanken dazu vortrug. Der Höhepunkt des Tages schloss sich daran an. Die christliche Gemeinde von Shef-Amr, ein kleines Dorf unweit von Kana, hatte die Pilgergruppe eingeladen, um mit ihr die Heilige Messe zu feiern. Diese war nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine sprachliche Herausforderung. Mit dem Einsatz von vier Sprachen, nämlich Arabisch, Deutsch, Englisch und Latein, konnte diese Hürde überwunden und eine wunderbare Messe gefeiert werden. Außerordentlich gastfreundlich wurde die ganze Gruppe daraufhin auch noch zum Mittagessen und gemeinsamen Gespräch eingeladen, was diesen Besuch zu einem besonderen und einzigartigen Punkt dieser Pilgerreise machte. Allerdings wurde bei der Besichtigung des an die Pfarrgemeinde angeschlossenen sanierungsbedürftigen Kindergartens auch deutlich, wie sehr die Christen im Heiligen Land finanzieller Hilfe bedürfen. Nach diesem Besuch der besonderen Art ging am Nachmittag die Reise nach Nazareth zur Verkündigungsbasilika, welche auf der Grotte gebaut wurde, in der nach der Tradition der Erzengel Gabriel Maria erschienen ist. Vor der Rückfahrt nach Tiberias besuchten wir den Berg der Seligpreisungen am See Genesareth.

Nach der zweiten Nacht im Hotel Bali, das uns nicht vergessen ließ, dass wir Pilger und keine Urlauber waren, besuchten wir am Vormittag des dritten Tages verschiedene Orte des Wirkens Jesu am See Genesareth. Erste Station hierbei war die Brotvermehrungskirche in Tabgha. Interessant war dabei vor allem das bekannte Mosaik aus dem fünften Jahrhundert, das einen Korb mit vier Broten und einem Fisch rechts und links davon zeigt. Das fünfte Brot soll das bei der Eucharistie verwendete auf dem Altar sein. Unweit von Tabgha, in Karfanaum, hatte die Gruppe die Möglichkeit einen Ort zu besuchen, der für Jesus Wohn- und Wirkort gewesen war. Auch einige Jünger Jesu stammten aus Karfanaum, wie Simon Petrus, über dessen Wohnhaus eine katholische Kirche gebaut wurde. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir einen Begleiter, der uns auch die nächsten Tage nicht mehr verlassen wollte: Regen. Trotzdem wagte die Pilgergruppe die Bootsfahrt auf dem See Genesareth, was sie später allerdings bereute. Auf dem See nahmen Wind und Regen biblische Verhältnisse an, so dass Regenschirme und Jacken das Schlimmste im besten Fall verhinderten.

 

Auf der Weiterfahrt nach Jerusalem, legten wir in Jericho, der ältesten Stadt der Welt, eine Mittagspause ein. Als Jerusalem in Sichtweite war, stimmten wir das Pilgerlied „Lauda Jerusalem“ an. Während unserer ganzen Reise, nutzten wir die Fahrten im Bus zum Singen und Beten.

In Jerusalem im Hotel angekommen, konnten wir uns für den Programmpunkt des späten Nachmittags kleiden, für den Einzug der Grabesritter in die Grabeskirche, welcher vom Gesang der Franziskaner begleitet wurde und sehr feierlich war. Unter mittlerweile strömendem Regen folgte der Fußmarsch zum lateinischen Patriachart, wo uns der Patriarch die Ehre erweisen sollte. Da dieser allerdings kurzfristig verhindert war, hieß uns der emeritierte Weihbischof Batish herzlich willkommen. Nach Übergabe der Pilgermuscheln an die Ordensdamen und Grabesritter, die zum ersten Mal als Ordensmitglieder im Heiligen Land waren, gab es einen kleinen Stehempfang mit Möglichkeit zum Gespräch.

 


Nach der einzigen Nacht in Jerusalem besuchten wir die St. Anna Kirche, die von Kreuzfahrern erbaut wurde, da der Tradition nach dort die Wohnung von Joachim und Anna, der Eltern Marias, gewesen war. Von dort gingen wir im Regen auf der Via Dolorosa die 14 Stationen des Kreuzweges zur Grabeskirche, wo wir die Heilige Messe feierten. Nach ausführlicher Besichtigung der Grabeskirche waren am Nachmittag zum einen der Berg Zion mit der Dormitio, dem Abendmahlsaal und dem Grab Davids, zum anderen der Ölberg mit Dominus flevit, Pater noster und Kirche der Nationen im Garten Gethsemane Stationen unserer Pilgerreise. Am späten Nachmittag fuhren wir zu unserer Unterkunft in Bethlehem und damit in die Autonomiebehörde jenseits der „Mauer“.

 

Nachdem wir am Morgen des nächsten Tages die Hirtenfelder besichtigt hatten, kamen wir in den Genuss, an die Geburtsstätte unseres Herrn zu kommen. Wie in allen Führern beschrieben, war auch an diesem Tag der Andrang von Pilgern gewaltig, weshalb wenig Zeit blieb, an der Geburtsstätte zu verweilen. In der Josefsgrotte, unweit davon, hatten wir Gelegenheit, die Heilige Messe zu feiern.

Beim Versuch die Westbank für den Nachmittag zu verlassen, um Yad Vashem, das berühmte Denkmal für die ermordeten Juden im Dritten Reich, und den Ort der Heimsuchung Mariäs in En Karem zu besuchen, musste die gesamte Pilgergruppe den Bus zur Sicherheitskontrolle verlassen. Normalerweise ist es üblich, dass bei ausländischen Besuchergruppen, und als solche waren wir auch eindeutig zu erkennen, lediglich ein Soldat durch den Bus geht. Die Sicherheitskontrolle ereignete sich aber folgendermaßen: Ohne überhaupt Sicherheitsleute zu sehen, mussten wir durch lange Gänge, Drehkreuze und Sicherheitsdetektoren laufen und wurden zum jeweils nächsten Schritt per Lautsprecher aufgefordert. Die Sicherheitskontrolle endete damit, dass wir Soldaten, die am Ende des Parcours standen, den Pass zeigen mussten. Ob diese Maßnahmen tatsächlich die Sicherheit erhöhen, ist wohl diskutierbar. Danach konnten wir unsere Weiterreise zu den oben erwähnten Orten bestreiten. Das Abendessen – wieder in Bethlehem – nahmen wir in einem Beduinenzelt zu uns, wo typische arabische Vor- und Hauptspeisen, Arak, Wasserpfeife und arabischer Kaffee serviert wurden. Den Geburtstag von Frau Schlegel, der Haushälterin unseres geistlichen Begleiters Prälat Hölzl, feierten wir im Beduinenzelt mit einem großen Kuchen.

 

Am nächsten Tag verließen wir die Westbank – glücklicherweise ohne weitere Sicherheitskontrollen – , um nach dem Besuch des Tempelberges und der Klagemauer weiter Richtung Süden zu pilgern. Ziel unserer Fahrt am Toten Meer, entlang durch die Wüste Negev, war, über die Stadt Eilat nach Ägypten ins Sinaigebirge zu gelangen. Dieser Grenzübergang verlief auf israelischer Seite einigermaßen reibungslos und flott, was man für die ägyptische Seite allerdings nicht behaupten konnte. Obwohl der Grenzübergang alles andere als unterbesetzt war, war bei den ägyptischen Beamten keine Motivation zu spüren, die Einreise möglichst schnell zu vollziehen. Auch das fünfmalige Vorzeigen des Reisepasses war etwas verwunderlich. Nach einer zweistündigen Fahrt gestaltete sich auch die Ankunft für deutsche Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftig. Wir durften nur einzeln nach Aufruf unseres mittlerweile ägyptischen Reiseleiters den Bus verlassen, sobald wir einen Kofferträger zugewiesen bekommen hatten. Um diesen Ablauf nicht zu stören, blieb die hintere Tür des Busses verschlossen

Einige Stunden später - gegen ein Uhr morgens - standen die meisten unserer Gruppe schon wieder auf, um auf den Berg Horeb, wo Mose die zehn Gebote erhielt, zu wandern. Interessant war, dass am Fuße des Berges eine Taschenkontrolle stattfand und jeder durch einen Metalldetektor, der offensichtlich nicht eingeschaltet war, laufen musste. Die Wanderung und die Landschaft entschädigte sofort für alle Mühen, die wir für diesen Programmpunkt auf uns genommen hatten. Auf dem Gipfel des Berges, wo wir den Sonnenaufgang miterleben durften, waren Pilgergruppen aus verschiedenen Ländern, die beteten und Lieder sangen. Dies war ein sehr stimmungsvolles und eindrückliches Erlebnis. Nachdem wir um etwa neun Uhr im Hotel waren, brachen wir wenig später schon wieder auf, um das älteste Kloster der Welt, das Katharinenkloster, zu besuchen. Nach dieser etwa 16-stündigen Exkursion nach Ägypten, reisten wir wieder nach Israel ein. Auch dies lief nicht ganz ohne Verzögerungen ab.

 

In Eilat konnte sich die Pilgergruppe erholen, um am nächsten Tag die Reise nach Tel Aviv zum Flughafen und damit den Heimweg dieser anstrengenden, aber wunderbaren Pilgerreise antreten zu können. Auf dem Weg zum Flughafen hielten wir in der Wüste Negev noch einmal an, um auf freiem Feld - von Dattelbäumen umringt - die Heilige Messe zu feiern.

 

Ludwig Weckbach

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