Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Zusammenstehen auch in schweren Zeiten - Bayerischer Provinztag in Passau

Ein Beispiel dafür, was Communio in der Kirche heißt, mussten die Damen und Ritter der Bayerischen Provinz auf ihrem Einkehrtag in Passau vom 26. bis 28. März 2010 nicht lange suchen: Es ist das Zusammenstehen bei Christus in schweren Zeiten, wie sie seit Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle auf die Kirche in Deutschland hereinbrachen. „Im Dritten Reich war die Kirche von außen her in Bedrängnis, jetzt ist sie von innen heraus gefährdet“, sagte Bischof Cfr. Wilhelm Schraml bei einer Begegnung im Passauer Dom. Es gelte, sich nicht auseinander dividieren zu lassen und noch deutlicher zu erkennen: Im Kreuz ist Heil. Der bayerische Ritterorden vertraute sich zudem der Gottesmutter Maria als Hilfe der Christenheit an. Vom Passauer Maria-Hilf-Berg, wo der Einkehrtag im Exerzitienhaus „spectrum Kirche“ stattfand, ist immerhin der Kult weltweit ausgegangen. Am Gnadenbild flehten auch die fast 100 Ritter, Damen und Angehörigen um den Beistand Mariens.

Die drei Vorträge des Einkehrtags von Cfr. Pater Dominik Kitta OPraem widmeten sich dem Mysterium der Kirche als Stiftung Christi, Leib Christi und Gemeinschaft Christi. Pater Kitta erschloss die reiche Metaphorik des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Kirche erscheint dort als eine erwählte Größe, als ein Volk von Berufenen von gleicher Würde, gewiss keine Form nur menschlicher Vergemeinschaftung, aber auch keine von ihrer Spitze her gebaute klerikale Ordnung. Ihr eingestiftet ist das Geheimnis der Eucharistie, davon lebt die Kirche als Leib Christi in der unmittelbaren Kommunikation mit ihrem Herrn. Als Tempel des Heiligen Geistes sind der Kirche zudem reiche Charismen geschenkt, die sie in der Gemeinschaft mit Christus erhalten. Aus dieser Kraft stelle sie das sichtbare Sakrament der heilbringenden Einheit dar, die sich immer der göttlichen Gegenwart verdanke „und nie nur menschlichem Tun“, wie Pater Kitta betonte.

Den spirituellen Reichtum der künstlerischen Gestaltung des Passauer Stefansdoms erschloss Cfr. Dr. Peter Seiler bei seiner Führung. Schrittweise führt das Bildprogramm von Buße und Umkehr sowie einem Vorausblick in die Freuden des Himmels zur Gemeinschaft der Kirche. Zugeordnet sind nach Dr. Seiler jedem Hauptmotiv die passenden Tugenden wie Demut und Gehorsam, Liebe und Geduld oder Klugheit und Aufrichtigkeit. „Eine ganze Kommunikationstheorie steckt in diesem Dom“, meinte Cfr. Seiler.

Mit Msgr. Dr. Bernhard Kirchgessner, dem Direktor des Exerzitienhauses, feierte der Orden die Liturgie des Palmsonntags. „Die Kirche ist unsere Heimat“, bekräftigte der Präsident der bayerischen Ordensprovinz, Cfr. Dr. Bernhard Mauser, auf der Kapitelsitzung. „Gerade jetzt sollten wir zusammenstehen und unseren Heiligen Vater und die Bischöfe unterstützen“, mahnte er. 367 Mitglieder umfasst die bayerische Provinz, darunter 59 Damen und 52 Geistliche. Präsident Mauser riet, sich angesichts eines Durchschnittsalters von 67 Jahren beständig zu verjüngen. Schmerzlich vermisst die Provinz den langjährigen Regensburger Leitenden Komtur Cfr. Walter Alt, der zu früh einer schweren Krankheit erlag. Der bayerische Provinztag wird am 23. Oktober auf Einladung des Innenministers Cfr. Joachim Hermann im Münchner Maximilianeum stattfinden.

Cfr. Alois Knoller

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Bayerischen Provinztag in Passau
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