Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

25 Jahre Komturei St. Willibald Eichstätt

Mit einem Jubiläumskonveniat beging die Komturei Eichstätt am 3. Oktober 2009 ihr 25-jähriges Bestehen. Ein feierliches Pontifikalamt im Eichstätter Dom stand am Beginn des Tages, es folgte ein Empfang im Spiegelsaal der Eichstätter Residenz mit einem Vortrag von Cfr. Prälat Prof. Dr. W. Brandmüller. Daran schloss sich ein festliches Abendessen an. Den Abschluss des Tages bildete eine Orgelimprovisation von Cfr. Prof. Wolfram Menschik im stimmungsvoll erleuchteten nächtlichen Eichstätter Dom.

 

Illustre Gäste aus Kirche, Gesellschaft und Politik, allen voran S.E. Dr. Walter Mixa, der Prior der Bayer. Ordensprovinz, Dr. Heinrich Dickmann als Statthalter der Deutschen Statthalterei sowie Dr. Bernhard Mauser als Präsident der Bayer. Ordensprovinz, zahlreiche Lt. Komture des Ordens vom Hl. Grab zu Jerusalem und befreundeter Ritterorden sowie die nahezu vollständig versammelte Komturei Eichstätt mit Angehörigen, der Bürgermeister der Stadt Eichstätt und die Stellvertreterin der Landrats hatten sich in Eichstätt eingefunden, um das 25-jährige Bestehen der Komturei St. Willibald begehen.

Ausgangs- und Endpunkt des Jubiläums war der Hohe Dom zu Eichstätt. Im Mortuarium des Doms schlug Prof. Dr. Burkhard M. Zapff, der Prior der Komturei, in der Statio den Bogen von den biblischen Stätten Jesu im Hl. Land zu der Pilgerreise eines Ritters vom Hl. Grab als allgemeingültigem Auftrag der Spurensuche. Zu Beginn des Pontifikalamts fasste S.E. Bischof Walter Mixa als Zelebrant die Gedankenführung des Gottesdienstes zusammen: Erntedank – Dank an Gott – Dank für das 25-jährige Bestehen der Komturei Eichstätt. Der Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß musizierte die Missa Papae Marcelli von Giovanni Perluigi da Palestrina. In seiner Predigt stellte Bischof Dr. Walter Mixa den Bezug zwischen Eichstätt und dem Heiligen Grab in Jerusalem her, von dem die Stadt in ihren Mauern eine Nachbildung aus dem 12. Jahrhundert birgt. Bischof Walter schilderte die Aufgaben des Ritterordens im Umfeld der erschwerenden politischen Umstände in Palästina. Der Ritterorden müsse alles in seiner Macht Stehende tun, um das Zusammenleben der Völker zu fördern. Helfen: materiell und im Gebet. Die Angehörigen der deutschen Statthalterei leisteten dazu einen erheblichen Beitrag. Weiter richtete der Bischof den Gedanken auf die Situation in Deutschland. Auch hier müsse ein nachlassendes Interesse der Menschen an Religion und Spiritualität beklagt werden. In diesem Zusammenhang komme dem Orden die Aufgabe zu, sich deutlich zum Glauben zu bekennen und durch sein Beispiel in der Öffentlichkeit für die christlichen Werte Zeugnis zu leisten. Sein Schlussappell lautete: „Wir müssen, Consorores und Confratres, erfüllt sein von der Aussage des Hl. Grabes!“ „ Denn wir sind das Salz der Erde.“

 

Das Jubiläumsprogramm setzte sich fort mit einem Empfang im Spiegelsaal der Eichstätter Residenz, der von einem Trio musikalisch umrahmt wurde. Nach Begrüßung durch den leitenden Komtur Dr. Hermann Rieder, machte es sich Cfr. Prälat Prof. Dr. W. Brandmüller, der Präsident des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft in Rom, bei seinem Festvortrag zur Aufgabe, das negative und meist „verschwommene, wenn nicht verzerrte“ Bild der Kreuzzüge einem gerechteren Urteil zu unterziehen. Brandmüller begann mit einem Zitat aus dem Standardwerk von Stephen Runciman aus dem Jahre 1954, das über Jahrzehnte hinweg das Verständnis der Kreuzzüge prägte: „In der Folge von Zusammenwirken und Verschmelzung zwischen Morgenland und Abendland… waren die Kreuzzüge eine tragische und zerstörerische Episode….Hohe Ideale wurden von Grausamkeit und Habgier besudelt…“

 

Die Frage, ob die Kreuzzüge Angriffskriege waren, beantwortete der Referent mit einem Blick auf die Historie nach dem Tode des Propheten: Die Eroberungskriege der Araber begannen unter dem Kalifen Abu Bakr 634 mit dem Einfall in Syrien. In ihrem Verlauf wurden 638 Jerusalem, 649 Zypern erobert, Raubzüge nach Sizilien unternommen, 655 fiel Rhodos in die Hände der Muslime, 711 wurde das Heer der Westgoten vernichtet, 870 Malta erobert, ebenso Syrakus und Taormina; das italienische Festland wurde überfallen: 846 wurden Stadtteile Roms geplündert, was zum Bau der Mauer um St. Peter und den Borgo unter Papst Leo IV führte. Der christlichen Bevölkerung, soweit sie überlebte und nicht zwangsweise zum Islam konvertierte, war ein hartes Los beschieden: Fronarbeit und Kennzeichnung durch diskriminierende Kleidung. Nur unter Kalif Abu al-Aziz (975-86) konnten Christen und Juden an hohe Ämter gelangen, unter Kalif Abu Ali al-Mansur wurden Kirchen zerstört, um 1009 wurde die Grabeskirche ein Opfer des Fanatismus.

 

1056 verboten die Muslime das Betreten der wiedererbauten Grabeskirche. Als 1077 die Seldschuken Jerusalem eroberten, ermordeten sie 3000 Einwohner. Es kam zu erheblichen Behinderungen für christliche Pilger, weshalb schon vor dem Aufruf von Papst Urban II bewaffnete Wallfahrten nach Jerusalem stattfanden. Daher folgerte der Referent: „Man wird also kaum von christlichen Eroberungskriegen gegen friedliche Völker sprechen können, wenn Kreuzzüge gemeint sind.“

 

Als Beweggründe für die Kreuzzüge nannte der Referent neben der ständigen Bedrohung des Abendlandes vor allem die religiösen Ideale der nach Gregor VII benannten Reformbewegung. Eine Jerusalem-Sehnsucht hatte die Gläubigen erfasst. Die Behinderung der Wallfahrten durch die Muslime erforderte die bewaffnete Wallfahrt.

 

Ein weiteres Motiv war der Wunsch nach Vergebung der Sünden sowie der Gedanke, Christus als oberstem Lehnsherrn zu dienen. Dies zusammen ergab den Imperativ: „Deus lo vult.“ Man verstand den Krieg als Übung der Frömmigkeit – Kriegsdienst als Gebet.

 

Für die Ritter bedeutete die Teilnahme am Kreuzzug erhebliche Aufwendungen, bei denen Grundstücke, Burgen und Dörfer verkauft wurden, um die Kosten zu finanzieren. Wiewohl kriegerische Gewalt dem heutigen Betrachter als Widerspruch zum Evangelium erscheint, galt damals die christliche Theorie der gerechten Gewalt. Die Rückgewinnung des Hl. Landes erschien als causa iusta, der Aufruf des Papstes ergab die Legitimität.

 

Problematisch, so der Referent, seien die Darstellungen der Quellen über die Eroberung der Stadt Jerusalem am 15. Juli 1099. Nach dem Bericht der Gesta Francorum „wateten die Ritter im Blut bis zu den Knien und zum Zaumzeug ihrer Pferde.“ Der Referent wies jedoch nach, dass die Beschreibung in Anlehnung an Josua 6 erfolgt sei, wo über die Eroberung von Jericho berichtet wird und eben diese Bilder verwendet werden, vergleichsweise auch ein Zitat aus der Apokalypse 14,20. Auch müssten die Zahlenangaben der Getöteten als stark übertrieben eingeschätzt werden, was damaliger Berichterstattung entsprach.

 

Abschließend kam Prof. Brandmüller zu dem Ergebnis, dass es aus heutiger Sicht die „Kreuzzüge nicht gegeben hat, … vielmehr eine Anzahl einzelner Unternehmungen, die sich als peregrinatio in armis, d.h. als bewaffnete Wallfahrt ins Heilige Land verstanden.“ Um ein gerechtes Urteil zu fällen, muss eher die Idee als die Verwirklichung auf dem Prüfstand stehen, die Bereitschaft, Leben und Gut einzusetzen, um das Heilige zu gewinnen.

 

Das Jubiläumskonveniat fand seinen Fortgang im gemeinsamen Abendessen, bei dem der Statthalter und weitere Ehrengäste ihre Verbundenheit in Grußworten zum Ausdruck brachten. Einen würdigen Abschluss bildete die Orgelimprovisation von Cfr. Prof. Wolfram Menschik im stimmungsvoll erleuchteten nächtlichen Eichstätter Dom.

 

Cfr. Dr. Josef Oßberger

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