|
Investituren
Hamburg 2010
![]() ![]() Mannheim 2009
![]() ![]() Fulda 2009
![]() ![]() |
Predigt des Großpriors Bischof Dr. Anton Schlembach beim Investiturgottesdienst am 20. Mai 2006 im Dom zu XantenEine andere Reaktion auf das Sein zum Tode ist der Protest gegen diesen unabänderlichen Befund. Man muss das Sein zum Tode annehmen, aber nicht hinnehmen. Ihm zum Trotz kann und muss man für das Leben votieren, optieren, sich engagieren. Man muss das irdische Leben so lebenswert wie möglich machen. Große humane Werte werden hervorgebracht. Hinter ihnen steht ein hohes humanistisches Ethos; auch Opfer- und Verzichtbereitschaft um der Menschlichkeit und einer menschlichen Gesellschaft willen. Das ist die humanistische Reaktion. Der Protest gegen den Tod und für das Leben nimmt jedoch auch die Form der Gewalt und Unmenschlichkeit an, und zwar immer dann, wenn ein Lebenswert, ein innerweltlicher Wert absolut gesetzt wird. Für ihn opfert man dann alles; für ihn geht man über Leichen, über KZs, Holocaust, Gulags, Embryonentötung, Abtreibung, Tötung von Behinderten. Solche verabsolutierten Werte waren das Volk, die Rasse im Nationalsozialismus, die angeblich gerechte klassenlose Gesellschaft im Kommunismus, ist der Profit im Kapitalismus, ist die Gesundheit in bestimmten Formen der heutigen Biotechnik. Wieder eine andere Reaktion auf das Sein zum Tode ist Resignation, Defätismus, Melancholie als Grundbefindlichkeit. Ein Beispiel dafür ist das Sophokles-Zitat, das ich kürzlich auf einer Todesanzeige fand: "Wenn das Licht des Geistes verdunkelt und die Freude in der Finsternis der Verzweiflung untergeht, dann ist es besser, in den Schlaf zu tauchen, aus dem es kein Erwachen gibt." Weit verbreitet ist heute die Verdrängung des Wissens um die Todverfallenheit. Man lebt am Tod vorbei und versucht, sich vor allem zu amüsieren. "Wir amüsierten uns zu Tode" ist nicht nur ein Buchtitel. Für viele ein Lebensprogramm. Nietzsche sieht diesen Grundentscheid verkörpert in der Figur "Der letzte Mensch": "Man hat sein Lüstchen für den Tag, man hat sein Lüstchen für die Nacht, aber man ehrt die Gesundheit... Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinauswirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat zu schwingen!... Seht, ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? - so fragt der letzte Mensch - und blinzelt..." Er verdrängt seine Eindimensionalität, seine Banalität, seine nihilistische Langeweile. Alle diese Reaktionen auf das Sein zum Tode befriedigen nicht. Oft führen sie, wie die Geschichte zeigt, zu Unmenschlichkeiten, verstärken den Pegelstand der Inhumanität in der Welt. Auf jeden Fall übersehen sie immer die tiefste Sehnsucht, die dem Menschen angeboren ist und um die der Mensch auch weiß: die Sehnsucht nach Überwindung des Todes, nach Ewigkeit, nach ewiger Seligkeit, nach einem Überstieg des Seins zum Tode, nach Auferstehung für sich, für alle, für alles. Zutiefst will der Mensch nicht irdisch leben und weiterleben, sondern über das irdische Leben und über den Tod hinauskommen. Wer um Ostern weiß, wer an Ostern glaubt, für den ist die Definition des Menschen als "Sein zum Tode" dort, wo sie exklusiv und absolut verstanden wird, falsch. Sie ist schlicht geschichtlich überholt durch die Auferstehung Jesu von den Toten, überholt durch den auferstandenen Jesus Christus. Sein Sein war nicht nur ein Sein zum Tode, sondern noch mehr ein Sein durch den Tod hindurch zur Auferstehung: dem Inbegriff aller menschlichen Sehnsucht und menschlichen Zielsetzung. Durch den Glauben und die Taufe, durch den gefeierten und gelebten christlichen Glauben sind wir mit Jesus, dem Auferstandenen, existenziell verbunden. Deshalb sind wir keine Absurditätsgläubigen, keine toleranten oder intoleranten Protestler, die nicht über den Tod hinausschauen, keine Melancholiker, keine letzten Menschen. Wir sind mit Christus auferstanden und erwarten mit unerschütterlicher Glaubensgewissheit die Auferstehung und das ewige Leben. Das macht uns zu österlichen Menschen. Wir tragen in uns eine unzerstörbare Hoffnung und Freude. Dadurch sind wir motiviert, uns in allen unseren Lebensbereichen unermüdlich für einen christlichen Humanismus einzusetzen. Auch wenn dies bisweilen mit Enttäuschungen und Frustrationen verbunden ist. Wir dienen, jeder auf seine, jede auf ihre Weise, dem Evangelium und dem Reich Gottes. Eine gemeinsame Konkretion ist für uns die Unterstützung der Mitchristen im Heiligen Land. Im Mozartjahr, 250 Jahre nach seiner Geburt, beglückt uns in dieser Stunde die Krönungsmesse Mozarts, dieses einzigartigen Musikgenies. Ich meine, man darf sagen: Der christliche Auferstehungsglaube ist der eigentliche Mutterboden seines gesamten Werkes. Ein österlicher Mutterboden. Ohne Ostern gäbe es Mozart, aber nicht die mozartsche Musik. Sie ist österliche Hoffnungsmusik, die das Negative der Wirklichkeit nicht ausschließt, aber unterfängt, umgreift, übertönt. Er, der durchaus freisinnige, war österlich fromm. In seinem Brief vom 9. Juli 1778 teilt er seinem Vater in Wien den Tod seiner Mutter in Paris mit. Dort schreibt er im Stil seiner Zeit: "Bedenken Sie, erstens, dass der allmächtige Gott es so gewollt hat... dann sollten wir zweitens danken, dass es so gut abgelaufen ist - denn sie ist sehr glücklich gestorben (sie hatte drei Tage zuvor gebeichtet, kommuniziert und die Krankensalbung empfangen!) ... so dass ich mir gewünscht hatte, in diesem Augenblick mit ihr zu reisen. Aus diesem Wunsch entwickelt sich mein dritter Trost, dass sie nicht auf ewig für uns verloren ist, dass wir sie wieder sehen werden, vergnügter und glücklicher beisammen sind als auf dieser Welt. Nur die Zeit ist uns unbekannt. Das macht mir aber gar nicht bang. Wann Gott will, dann will ich auch... Beten wir für ihre Seele und schreiten wir zu anderen Sachen. Es hat alles seine Zeit." 1787, vier Jahre vor seinem eigenen Tod mit 35 Jahren, schreibt Mozart im letzten Brief an seinen schwer kranken Vater: "Ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück gegönnt hat, den Tod als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu gedenken, dass ich vielleicht, so jung ich bin, den anderen Tag nicht mehr erleben werde. Und es wird doch kein Mensch von allen, die mich kennen, sagen können, dass ich im Umgang mürrisch oder traurig wäre. Und für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer und wünsche sie von Herzen jedem Mitmenschen." Pater Alfred Delp schrieb mit gefesselten Händen an Weihnachten 1945 - "Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt" - er meinte: weil Gott es in seinem Mensch gewordenen Sohn mit uns lebt. Noch mehr gilt: Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es in seinem auferstandenen Sohn mit uns lebt. Amen. |
Aktuelles
Vatikan-Newsletter Nr. XIX erschienenDie Juni-Ausgabe des Vatikan-Newsletter enthält eine Botschaft des Kardinal-Großmeisters und Berichte. Frühjahrsinvestitur in Hamburg mit über 700 TeilnehmernDie Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hielt vom 21. bis 23. Mai 2010 ihre Investiturfeier in Hamburg ab. Komturei Essen besteht 50 JahreMit einem Pontifikalmat im Essener Dom feierte die Komturei St. Thomas Morus in Essen am Sonntag, dem 10. Mai 2010 ihr 50jähriges Bestehen. |