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Investituren
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Stürmischer Empfang am Niederrhein - Frühjahrsinvestitur in Xanten und Kevelaer vom 19.-21. Mai 2006![]() Wenn die Präsenz des Heiligen Geistes in der Windstärke des jeweiligen Investiturortes gemessen würde, dann dürfte die Frühjahrsinvestitur besonders geistdurchweht gewesen sein. Stürmisch wurden die Gäste in Kevelaer und Xanten empfangen, Sonne und heftiger Regen, Wind und kühle Temperaturen sorgten für wechselhafte Außenbedingungen aber beste Stimmung unter den Rittern, Ordensdamen und Gästen. So brausend wie der Wind war auch das Orgelspiel in der Wallfahrtsbasilika von Kevelaer, wo zu Beginn der Investitur in der Maiandacht P. Dominik Kitta an den Besuch von Johannes Paul II. am Gnadenbild 1987 erinnerte: „So klein“, habe er das Bild damals umschrieben. Eine solche einfache Aussage sei heute der Auftrag für uns: „Es ist eben keine große Statue, sondern ein kleines, fast unscheinbares Bild. Gott hat in der Geschichte oft das Kleine gewählt, um dadurch das Große zu vollbringen. Mit den Augen des Herzens gelingt es so, die Nähe des Herrn zu erfahren.“ Eingetaucht in ein Lichtermeer von Kerzen feierte die Gemeinschaft am Abend – nach einem kulinarisch-deftigen Begrüßungsabend in zahlreichen Gasthäusern des Wallfahrtsortes – das Marienlob. Xanten als Ort war eindrucksvoll gewählt. „Zu den Märtyrern“ ging es im wahrsten Sinne des Wortes, was im Investiturgottesdienst zunächst der Propst des Xantener Doms, Alfred Manthey, verdeutlichte, in dem er an die Märtyrer der längst vergangenen Geschichte aber auch der historischen Realität des 20. Jahrhunderts erinnerte, die in Xanten verehrt werden. Großprior Bischof Dr. Anton Schlembach forderte vor dem Hintergrund dieser Märtyrer dazu auf, sich als Ordensgemeinschaft verstärkt für eine Kultur des Lebens einzusetzen: „Man muss das Sein zum Tode annehmen, aber nicht hinnehmen. Man muss das irdische Leben so lebenswert wie möglich machen. Große humane Werte werden hervorgebracht. Hinter ihnen steht ein hohes humanistisches Ethos. Der Protest gegen den Tod und für das Leben nimmt jedoch auch die Form der Gewalt und Unmenschlichkeit an, und zwar immer dann, wenn ein Lebenswert, ein innerweltlicher Wert absolut gesetzt wird. Für ihn opfert man alles“, warnte Bischof Schlembach. Die eindrucksvolle Architektur des Xantener Doms lebte in diesem Gottesdienst durch Wort und Musik. Der Domchor Xanten und die Mitglieder der Duisburger Philharmonie brachten im Mozartjahr die Krönungsmesse zu Gehör und Herz. Die neuen Ordensmitglieder, durch Ritterschlag und Versprechen feierlich investiert, wirkten angerührt, vielleicht sogar ergriffen. „Ich bin überzeugt, dass das Erlebte dieses Tages in uns allen nachhaltig und dankbar nachschwingen wird“, fasst Statthalter Prof. Oldenkott die Stimmung zusammen. Von besonderem Reiz war der Festabend der Investitur. Vieles sind die Ordensmitglieder gewohnt, von Reithallen über sterile Hotelfestsäle und Brauhäuser bis zu Kongresszentren. Eine Neuerung in diesem üppigen Spektrum war zweifelsohne das „Wunderland Kalkar“! Der ehemalige „Schnelle Brüter“ hat die bemerkenswerte Transformation eines nicht in Funktion gewesenen Atomkraftwerks hin zu einem Compositum mixtum aus Freizeitpark, Hotelgewerbe und Veranstaltungszentrum erfahren. Vor allem Niederländer besuchen diese beliebte Einrichtung und staunten nicht schlecht, als befrackte und in lange Abendkleider gehüllte Menschen einer Kohorte von Reisebussen entstiegen. Über dem Eingang eines hallenähnlichen Gebäudes stand in großen Lettern „Sporthalle“. Innen staunten die Investiturteilnehmer nicht schlecht, wie eine sonst für Tennis genutzte Räumlichkeit in einen gehobenen Festsaal mit Teppichboden und dezentem Licht verwandelt worden war. Die gastgebende Komturei hatte offensichtlich alle Verhandlungskunst aufgeboten, um eine unvergessliche, perfekte Kulisse und kulinarisch hochwertige Erinnerung zu garantieren. Die frohe Runde im Ex-Brüter von Kalkar lebte das, was den Orden auszeichnet: Gebet und Freude gehören zusammen. An diese Freude erinnerte auch der Statthalter, der das erste Pontifikatsjahr von Papst Benedikt XVI. in Erinnerung rief: „Froh und dankbar schauen wir nach Rom, wo der Heilige Vater ein deutliches und kraftvolles Bekenntnis zum Heiligen Land abgegeben hat. Für uns muss immer deutlich sein, dass die Verantwortung zur Nächstenliebe niemals aufhören kann, weil der Mensch immer die Liebe braucht.“ Das betonte auch am nächsten Tag der Münsteraner Weihbischof Heinrich Janssen in seiner Predigt im Xantener Dom zum Abschluss der Investitur: „Es gibt eine Kraft des Evangeliums, die den Menschen in der Schwäche geschenkt wird. Der Hebräerbrief sagt über die großen Glaubensgestalten, die auch uns Vorbild und Hoffnung sein sollen: ‚Sie sind stark geworden, als sie schwach waren.’“ Die Investitur in Xanten und Kevelaer hat einmal mehr gezeigt, welche hohe spirituelle Wegweisung der Orden hier für seinen Weg erhält. Darum sind Predigten und Ansprachen in einer Ordenszeitschrift keine Dokumentation, sondern Anleitung, das Erlebte noch einmal nachklingen zu lassen bzw. nach zu erleben für jene, die nicht dabei sein konnten. Ihnen sprach der Statthalter das besondere Mitgefühl aus: „Wir denken hier in Xanten besonders an die Alten und Kranken unserer Gemeinschaft, die nicht mehr zu einer Investitur reisen können. Wir beten für sie, weil sie für uns unvergessen sind. Im Herzen ist unsere Gemeinschaft bei ihnen.“ Xanten und Kevelaer bleiben in den Herzen verankert, nicht nur durch Sturmesbraus, sondern durch das Kennenlernen einer für viele unserer Ordensmitglieder eher unbekannten Gegend. Vielleicht hat den bleibenden Auftrag der Investitur am besten der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, auf den Punkt gebracht. In seinem Grußwort schreibt er: „Durch Ihren Dienst an den Ur-Stätten des Glaubens und der Solidarität mit den Christen wie mit allen Menschen im Heiligen Land, die guten Willens sind, werden Sie, verehrte Ordensangehörige, zu Dienern der Versöhnung und des Friedens.“ Die Ordensfahnen wehten noch lange im Wind. Zwei bleiben in besonderer Erinnerung: Jene, die das Rathaus in Xanten schmückten. Das ist – betrachtet man andere Investiturorte – ungewöhnlich, aber es ist eben auch gut, gewählte Bürgermeister als Ordensmitglieder zu wissen. Cfr. Matthias Kopp |
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