|
Investituren
Hamburg 2010
![]() ![]() Mannheim 2009
![]() ![]() Fulda 2009
![]() ![]() |
Predigt des Großpriors S.E. Bischof Dr. Anton Schlembach im Investiturgottesdienst am 21. Mai 2005 in Paderborn![]() Erster Kernsatz: "Wer glaubt, ist nicht allein. Im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Papst Johannes Paul II. war nicht allein, als er am 2. April starb. Zehntausende auf dem Petersplatz, Millionen rund um die Erde beteten und litten mit ihm. Auch Nicht-Katholiken. Auch Nicht-Christen. Benedikt XVI. war nicht allein, als er sein einmalig schweres Amt übernommen hat. Fast eine halbe Million waren in Rom dabei. 7.000 Medienvertreter machten die Feier zu einem planetarischen Ereignis. Christlicher Glaube ist ganz persönlicher Glaube, zugleich ist er immer Wir-Glaube, kirchlicher Glaube, Glaube in Gemeinschaft. Zu dieser Gemeinschaft gehören die Träger des apostolischen Lehramtes: Papst und Bischöfe. Sie lassen uns nicht allein, wenn wir geistige und ethische Entscheidungshilfe brauchen. Sie geben uns Orientierung und Wegweisung in den Wirren der zahllosen ideologischen -ismen: Kollektivismus, Individualismus, Atheismus, Agnostizismus, Subjektivismus, Relativismus und viele andere. Diese können ein süßes Gift sein. Sie können aber auch, kombiniert mit politischer Macht wie im 20. Jahrhundert oder wie heute mit Meinungsmacht, totalitär den Menschen und jede Ordnung zerstören. Das kirchliche Lehramt bewahrt davor, sich an das, was heute als zeitgemäß ausgegeben wird und morgen schon wieder unzeitgemäß ist, zu verlieren, unkritisch geistigen Modetrends aufzusitzen, die bald wieder unmodern und überholt sind. Das kirchliche Lehramt hilft uns gerade heute, die Inhumanität gewisser Fortschrittsideologien, Wissenschaftsideologien und Freiheitsideologien zur durchschauen; es ermutigt uns, an der Wahrheit des Menschen, seiner Würde, seiner moralischen Verantwortlichkeit, seines Lebensrechtes, seiner Ehe- und Familienbezogenheit auch gegen Mehrheitsmeinungen festzuhalten. Zur kirchlichen Gemeinschaft gehören die Seligen und Heiligen des Himmels. Unsere Brüder und Schwestern in der Vollendung. Sie sind unsere Glaubensahnen und zugleich unsere bei Gott fürbittenden Zeitgenossen. Unsere besten Freunde und unsere stärksten Helfer. Zweites Kernwort in der Antrittspredigt des Papstes: „Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung. Die Kirche trägt die Zukunft der Welt in sich." Die Kirche lebt. Sie ist so lebendig, dass sie wächst. Als 1978 Johannes Paul II. sein Amt antrat, gehörten ihr weniger als 780 Millionen an. Heute sind es 1,1 Milliarden. Die Kirche ist jung. In vielen Ländern, in denen sie im Unterschied zu uns zunimmt, sind im Gegensatz zu uns 50 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahren. Die Welt war überrascht, dass man beim Begräbnis des verstorbenen Papstes und bei der Amtseinführung des neuen Papstes so viele junge Gesichter sah. Die Weltjugendtage führen Hunderttausende junger Menschen zusammen. In Manila 1995 waren es 4 Millionen. Wie viele werden es im August in Köln sein? Die Mehrheit der Jugend lässt sich nicht mehr abspeisen mit Ideologien, Utopien und Surrogaten. Sie denkt mehrheitlich nicht nur und nicht vor allem an Konsum und Genuss. Sie will das Große. Sie will das Gute: dass dem Unrecht Einhalt geboten wird; dass alle an den Gütern der Welt Anteil erhalten; dass die Unterdrückten ihre Freiheit erhalten; dass die Wahrheit, die Gerechtigkeit, dass der Friede siegt; dass ihr der Weg zum richtigen Menschsein gezeigt und vorgelebt wird. Die Kirche lebt, weil Christus lebt und auferstanden ist. Die Kirche ist jung, weil Christus, der ewig Junge, in ihr lebt. Die Kirche hat Zukunft und garantiert Zukunft, weil die Auferstehung Jesu ihre und der Welt Zukunft ist. Bei seiner Amtseinführung bekam Benedikt XVI. das Pallium, ein Band aus Schafwolle um Hals und Schultern gelegt. In seiner Predigt deutete er diesen Ritus: "Das Pallium sagt uns zu allererst, dass wir alle von Christus getragen sind. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen." Wieder ein eindrucksvolles Kernwort. Jesus bezeichnet sich selbst als den guten Hirten. Er sucht das verlorene Schaf in der Wüste, nimmt es auf seine Schultern und trägt es in seine Kirche, wo es gerettet und geheilt wird. Die Menschheit, wir alle sind das verlorene Schaf in der Wüste. Diese Wüste hat viele Namen: Krieg, Terrorismus, Armut, Hunger, Einsamkeit, zerstörte Liebe, Entleerung der Seelen, die nicht mehr um ihre Würde und um den Weg des menschenwürdigen Lebens wissen. Wüste, das ist die Erfahrung von Sinn- und Hoffnungslosigkeit, von Krankheit und Tod. In diese Wüste ist der ewige Gottessohn in seiner Menschwerdung gekommen. In göttlicher Liebe hat er unser verwüstetes Mensch-sein angenommen, auf seine Schultern genommen und auch, ja gerade am Kreuz nicht weggeworfen, sondern durchlitten. Als der Auferstandene bringt er uns und alle Menschen zu Gott, der tiefsten Sehnsucht und höchsten Erfüllung. So ist er unser Retter und Erlöser. Gleichzeitig drängt er uns und alle Menschen dazu, sich auf den Weg zu machen, sich der Mitmenschen anzunehmen. Die gläubige Christusleidenschaft entlässt aus sich die menschliche Mit-leiden-schaft. Sie macht die Menschen zu guten Hirten, die ihre Mitmenschen aus der Wüste herausführen zu den Orten des Lebens: zu Gott, zu Jesus Christus, zur Kirche. Es gibt nichts Schöneres, als von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken. Am Schluss seiner Ansprache bei seinem Einführungsgottesdienst machte sich Papst Benedikt XVI. die Worte zu Eigen, die sein Vorgänger Johannes Paul II. bei seinem Einführungsgottesdienst am 22. Oktober 1978 über den Petersplatz gerufen hatte: "Non avete paura, aprite, anzi spalancate le porte per Cristo! - Habt keine Angst! Öffnet, reißt auf die Türen für Christus!" Der 4. und letzte Kernsatz aus der ersten Predigt des neuen Papstes, auf den ich hinweisen möchte. Immer wieder sind wir misstrauisch. Wir haben Angst, Christus würde uns etwas wegnehmen, etwas von dem, was das Leben schön und lebenswert macht. Gewiss: Christus will uns manches wegnehmen: den Unglauben, jede Form von Unmenschlichkeit, Lüge, Mobbing, Neid, Geiz, Lieblosigkeit. Aber Christus nimmt nichts weg von dem, was zur Freiheit des Menschen, zu seiner Würde und zum Aufbau einer gerechten Gesellschaft gehört. Wer Christus in sich einlässt, dem geht nichts, gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Christus nimmt nichts und gibt alles. In ihm - und letztlich in ihm allein - finden wir das wahre Leben, das Leben, das wert ist, gelebt zu werden. Die erste Predigt des Papstes - sein geistliches Regierungsprogramm. Sie lässt die Faszination aufleuchten, die von Jesus Christus ausgeht. Jesus Christus ist das Heil der Welt, unser Heil; die weltweite Vermittlung der Kenntnis von Jesus Christus, der Freundschaft mit Jesus Christus ist die höchste, wichtigste und schönste Aufgabe der Kirche, auch im dritten christlichen Jahrtausend - auch die Aufgabe in unserer Statthalterei, in unseren Komtureien, in unserem persönlichen Leben. |
Aktuelles
Vatikan-Newsletter Nr. XIX erschienenDie Juni-Ausgabe des Vatikan-Newsletter enthält eine Botschaft des Kardinal-Großmeisters und Berichte. Frühjahrsinvestitur in Hamburg mit über 700 TeilnehmernDie Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hielt vom 21. bis 23. Mai 2010 ihre Investiturfeier in Hamburg ab. Komturei Essen besteht 50 JahreMit einem Pontifikalmat im Essener Dom feierte die Komturei St. Thomas Morus in Essen am Sonntag, dem 10. Mai 2010 ihr 50jähriges Bestehen. |