Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Leben im Quadrat - Herbstinvestitur in Mannheim vom 9. - 11. Oktober 2009

Vom 9. bis 11. Oktober 2009 fand die Herbstinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Mannheim statt. Über 600 Ordensangehörige feierten die Aufnahme von 24 neuen Mitgliedern in der Universitätsstadt.

 

Als 766 n. Chr. im Urkundenbuch des Klosters Lorsch „Mannenheim“ vermerkt wird, ist das die erste nachgewiesene Erwähnung jener Stadt, die 900 Jahre später, 1607, Stadt-rechte erhält. Dass sie eines Tages so viele Ritter sehen würde, hat sich Mannheim wohl kaum erträumt. Vieles wird mit der Metropole im Erzbistum Freiburg verbunden: Friedrich Schillers „Räuber“ wurden hier uraufgeführt, Karl Drais erfand mit seiner Laufmaschine den Urtyp des Fahrrads und Carl Benz unternahm in Mannheim die erste Ausfahrt mit seinem Automobil. Besonders nachhaltig bleibt den Investiturteilnehmern die Straßenbenennung in Erinnerung, denn die Innenstadt ist in Quadrate eingeteilt, weshalb der Stadtdekan von Mannheim und neue Confrater Karl Jung zum Beispiel in A4, Hausnummer 2, zu Hause ist. Die Stadt wirbt mit einem Motto, das zum Ritterorden passt: „Leben im Quadrat“. Ist der Einsatz für das Heilige Land nicht manchmal ein Leben im Quadrat oder gar – wenn es um die Aussichten für den Frieden geht – die Quadratur im Kreis?

 

Das jesuitisch geprägte Mannheim hatte jedenfalls mit dem Leitspruch des Ordensgründers Ignatius von Loyola zur Herbstinvestitur eingeladen: „Alles zur höheren Ehre Gottes“. Der Geistliche Zeremoniar des Ordens, Cfr. Msgr. Prof. Dr. Christoph Müller brachte es auf den Punkt: „Für Ignatius und die Jesuiten ist dieses Wort zu einer Möglichkeit geworden, die eigenen Überzeugungen und Anliegen prägnant zusammenzufassen.“ Um diese Überzeugungen gehe es auch im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, in dem eine Lebensentscheidung gefragt ist, „die jeden mit den kostbaren Kräften seiner Person fordert“, so Cfr. Müller bei der abendlichen Vigil vor der Investiturfeier.

Aufnahme von Ordensdamen durch den Großprior S.E. Erzbischof Dr. Reinhard Marx

Geistige Orientierung

 

Diese Lebensentscheidung bezeugten 24 neue Mitglieder des Ordens, als sie von Großprior Cfr. Erzbischof Dr. Reinhard Marx feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Marx mahnte in seiner Predigt, den 20. Jahrestag des Mauerfalls nicht allein zu nutzen, um des Untergangs der kommunistischen Regime zu gedenken, sondern den Blick nach vorne zu richten. Jeder Christ sei gefordert, sich für eine menschliche, an Werten orientierte Gesellschaft einzusetzen. „Wo wir nicht mehr wissen, dass unsere Freiheit vor Gott verantwortete Freiheit ist, verlieren wir uns in einer bloß materiellen, vom blanken Kapitalismus bestimmten Gesellschaft“, so der Erzbischof. Gerade deshalb habe der Orden eine hohe aktuelle Bedeutung, fügte Marx hinzu. Er solle „geistige Orientierung in einer verwirrenden Welt bieten.“ Gleichzeitig warnte er vor einem Menschenbild, das sich in der „kleinlichen Politik“ breit gemacht habe, nach dem jeder nur nach seinem eigenen Wohl wähle und handle. Marx wörtlich: „Unser Papst hat in seiner jüngsten Enzyklika deutlich gemacht, dass es nicht darum geht, zu verurteilen oder eine negative Botschaft zu verbreiten, sondern ein zuversichtliches Menschenbild zu setzen.“

S.E. Statthalter Dr. Heinrich Dickmann

Um dieses positive Menschenbild gehe es in der täglichen Ordensarbeit, mahnte auch der Statthalter des Ordens, Cfr. Dr. Heinrich Dickmann. „Unsere Verantwortung ist nicht zeitlich befristet. Jeder von uns muss sich ständig dieser Verantwortung bewusst sein und versuchen, seiner Verpflichtung jederzeit gerecht zu werden.“ Die Ziele der Ordensgemeinschaft würden nicht eines Tages vollständig erfüllt und damit der Orden ohne Aufgaben sein. Das ergebe sich aus den ständigen Herausforderungen an ein christliches Leben. Ebenso seien es die andauernden Schwierigkeiten der christlichen Minderheit im Heiligen Land, die die Hilfe der Ordensmitglieder – weder materiell noch geistlich im Gebet – jemals befristen würden. Der Statthalter zeigte sich erfreut über die stattliche Zahl neuer Mitglieder – was selbst der „Bild-Zeitung“ eine Notiz wert war mit der Überschrift: „Keine Nachwuchssorgen beim Ritterorden.“

 

Lebendige Solidarität

 

Schlosskirche, Christuskirche und Jesuitenkirche waren eindrucksvolle Orte für die bewegenden Liturgiefeiern, die von mindestens ebenso prächtiger Kirchenmusik begleitet wurden. So war der Applaus lang und herzlich, als der Statthalter stellvertretend für alle Vorbereitung und Organisation dem Präsidenten der südwestdeutschen Provinz, Cfr. Johannes Baumgartner, und dem Ltd. Komtur der Komturei Heidelberg-Mannheim, Cfr. Heinrich Hagenbucher, dankte. Eindringlich appellierte Statthalter Dr. Dickmann an die Ordensmitglieder sich für das Heilige Land zu interessieren. Pilgerreisen bezeichnete er als Notwendigkeit, um die Orte zu verstehen und Solidarität vor Ort sichtbar werden zu lassen.

Dankgottesdienst am 11.10.2009

Diese Solidarität würdigte auch der Freiburger Erz-bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofs-konferenz, Cfr. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, in seiner Sonntagspredigt, in der er vor allem an die Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem vor 1000 Jahren erinnerte. Heute gehe es darum, ritterliche Tugenden wieder zu finden. „Diese besondere Formung, eine ritterliche Bildung des ganzen Menschen, treffe ich bei den Damen und Herren der Ritter vom Heiligen Grab immer wieder an. Es ist gut, wenn man Sie nicht nur am Ordenskleid, sondern mehr noch an Ihrer ritterlichen Haltung erkennt“, so Erzbischof Zollitsch. Jesus Christus habe uns diese Freiheit aufgezeigt, weil er uns liebt. „Indem wir seine Liebe, gewechselt in die Kardinaltugenden, in das Kleingeld des täglichen Lebens, einüben und ausüben, geben wir Zeugnis davon, dass Gottes Geist uns trägt und lebendig macht.“

Am Ende der Investitur verband sich das Motto der Tage in Mannheim, „Alles zur höheren Ehre Gottes“, noch einmal mit dem Wort des Erzbischofs als er sagte: „Die Liebe Gottes ist größer als alles, was wir zu denken wagen.“ Beides gehört unverzichtbar zusammen, im Alltag und vor allem im solidarischen Leben mit und für die Christen im Heiligen Land. Mannheim – Leben im Quadrat - waren eindrucksvolle Tage einer lebendigen Gemeinschaft, die vor allem für eines betet: für Frieden im Lande Jesu.

 

Cfr. Matthias Kopp

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