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Investituren
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Predigt des Großpriors Bischof Dr.Anton Schlembach im Investiturgottesdienst am 1. Oktober 2005 im Dom zu Magdeburg![]() Verehrte, liebe Investiturkandidatinnen und Investiturkandidaten! Liebe Confratres und Consorores! Schwestern und Brüder im Herrn! Dieses mächtige Gotteshaus, der erste gotische Dom auf deutschem Boden, ist dem heiligen Mauritius geweiht. Bereits seine Vorgängerbasilika, 955 von Kaiser Otto dem Großen errichtet, hatte als Patron den heiligen Mauritius. Zu seiner Verehrung wurde Otto schon in seinem elterlichen Königshaus angehalten. Nach seiner Kaiserkrönung 962 in der Mauritiuskapelle des Petersdomes in Rom machte Otto ihn zum Reichspatron. Am Donnerstag der vergangenen Woche (22. September) wurde in der ganzen Kirche sein jährlicher Gedenktag begangen. Mauritius gehört zu den großen Martyrergestalten der römischen Verfolgungszeit. Er war der Anführer der Thebaischen Legion. Sie bestand aus Christen. Unter den Kaisern Diokletian und Maximian weigerten sie sich beim heutigen St.Maurice in der Schweiz, den Göttern Roms zu opfern und sich an der Christenverfolgung zu beteiligen. Mehrfach wurden sie daraufhin dezimiert und schließlich alle umgebracht. Der Patron dieses Domes macht uns auf das Phänomen des christlichen Martyriums aufmerksam. Pius XI. sagte einmal: Die Kennzeichen der Kirche Christi sind nicht nur einig, heilig, katholisch und apostolisch, sondern auch verfolgt. Die Verfolgung fordert Zeugnis. Das christliche Glaubenszeugnis hat im Extremfall, im höchsten Ernstfall die Form des christlichen Martyriums, die Gestalt der Drangabe, der Hingabe von Blut und Leben, des inneren Einverständnisses, einen gewaltsamen Tod zu erleiden. Bereitschaft zum Martyrium gehört eigentlich zum rechten Menschsein. Sie ist der innerste Kern der Tapferkeit, einer Kardinalstugend, einer anthropologisch-ethischen Grundhaltung. Tapfer ist, wer sich für das Wahre und für das Gute einsetzt, auch da, wo es schwer fällt, Mut braucht, auf Widerstand stößt. In der real existierenden Welt setzt sich das Wahre und Gute nicht von alleine durch. In ihr gibt es das Böse und den Bösen. Sie sind eine Macht. Sie können sehr wohl auch eine Übermacht sein. Weil die Bezeugung der Wahrheit und die Realisierung des Guten gegen die Geschichtsmacht des Bösen verwirklicht werden muss, verlangt Tapferkeit die Bereitschaft, Benachteiligung und Verwundung hinzunehmen; im Grunde die Bereitschaft im Kampf für die Wahrheit und für das Gute zu fallen. Das Martyrium ist der höchste Akt der Tapferkeit. Bereitschaft zum Martyrium gehört deshalb zum rechten Menschsein. Billiger ist es nicht zu haben. Überflüssig zu erwähnen, dass das so verstandene Martyrium Gewalt, Selbstmord und Mord, aber auch Hass und Verzweiflung ausschließt. Selbstmordattentäter sind keine Martyrer, sondern ihre Perversion. Die dem rechten Menschsein zugehörige Bereitschaft zum Martyrium bekommt im rechten Christsein noch einmal eine besondere Qualität. Das Symbolzeichen des Christentums ist das Kreuz. Der Kreuzestod Jesu ist nicht nur das Ende, sondern der Kulminationspunkt des aktiven irdischen Lebens Jesu. Zugleich die Geburt seiner Auferstehung und österlichen Vollendung. Er erleidet zwar den Tod als Untat der Mitmenschen und als Gottes- und Höllenfinsternis. Aber er belässt es nicht dabei. Er macht den gewaltsamen Tod, der ihm angetan wird, zur größten Tat seines Lebens, zum Höchstfall der Gottes- und Nächstenliebe in der Menschheitsgeschichte. Wie gelebt, so gestorben. Auch das Letzte bei Jesus ist radikale Liebe, die ihn sagen lässt: "Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. - Vater, in deine Hände lege ich mein Leben." Jesus, der am Kreuz seinen gewaltsamen Tod in Liebe wandelt, ist die Urform des christlichen Martyrers. Die Bereitschaft, mit Jesus und wie Jesus zu sterben, die Bereitschaft, auch dann nicht von der Liebe zu Gott und zu allen Mitmenschen zu lassen, wenn es das irdische Leben kosten sollte, gehört zur Grundoption des Christen, ist ein Wesenselement des wahren Christseins. Billiger ist es nicht zu haben. Das Martyrium steht zum vorherrschenden Zeitgeist quer. Er setzt nicht auf Liebe, sondern auf Macht. Auch auf Macht, die verwüstet und zerstört. Für ihn gibt es weder Gott noch den auferstandenen Christus noch den Bösen als objektive Geschichtsmächte. Das Böse liegt höchstens in falschen Strukturen oder in einer falschen Erziehung. Sie gilt es zu ändern. Ein dumpfes Gesundheits- und Wohlstandsideal gibt sich der Illusion hin, es müsse durch taktisch richtiges Verhalten möglich sein, die Welt zu heilen. Das Wahre und das Gute sind nicht objektiv vorgegebene, aufgegebene absolut verpflichtende Wirklichkeiten, sondern rein subjektiv und im Grunde beliebig. Weder Tapferkeit noch Nachfolge Jesu stehen hoch im Kurs. Aber die Welt lebt von den Martyrern. Die Kirche lebt von den Martyrern. Sie sind stärker als das Böse. Sie verstärken das Gute in der Welt. Machen sie besser, menschlicher, christlicher. Sie bewirken den wahren Fortschritt. "Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst", sagte Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung. Wir wollen das Phänomen des christlichen Glaubensmartyriums in unserer Zeit nicht verdrängen, sondern weltweit aufmerksam beachten. Drei Beispiele: Zehntausend Gläubige kamen trotz Polizeiverbot am 27. August zur Beerdigung des romtreuen chinesischen Bischofs Jakob Xie Shiguang. Er wurde 88 Jahre alt, war fünf Mal verhaftet und verbrachte insgesamt 28 Jahre in staatlicher Gefangenschaft. Der Bischof im nordsudanesischen El Obeid Max Gassis klagt am 14. September: "Viele unserer christlichen Brüder und Schwestern sind wirklich für ihren Glauben gestorben." Er weiß von Folterungen und Erpressungen gegen konvertierungswillige Bürger. Einzelne seien sogar gekreuzigt worden. Allein in Kolumbien sind seit 1984 insgesamt fünfzig Bischöfe, Priester und Ordensleute wegen ihres Eintretens für Entrechtete und Arme ermordet worden. Eine neuartige Form der Christenverfolgung. Ein neuer Martyrertyp. Wir wollen mithelfen, dass bei uns und überall Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Hass, Gewalt und Martyrien minimieren. Wir wollen uns am Beispiel der Martyrer in Vergangenheit und Gegenwart aufrichten. Uns in unserer Grundentscheidung für das Wahre und Gute, für den christlichen Glauben, für die Gottes- und Nächstenliebe stärken. Wir wollen die Fürsprache der heiligen Martyrer - nicht zuletzt des heiligen Mauritius und seiner Gefährten - erbitten um Kraft und Treue zum wahren Menschsein und Christsein. Amen. |
Aktuelles
Vatikan-Newsletter Nr. XIX erschienenDie Juni-Ausgabe des Vatikan-Newsletter enthält eine Botschaft des Kardinal-Großmeisters und Berichte. Frühjahrsinvestitur in Hamburg mit über 700 TeilnehmernDie Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hielt vom 21. bis 23. Mai 2010 ihre Investiturfeier in Hamburg ab. Komturei Essen besteht 50 JahreMit einem Pontifikalmat im Essener Dom feierte die Komturei St. Thomas Morus in Essen am Sonntag, dem 10. Mai 2010 ihr 50jähriges Bestehen. |