Investitur in Magdeburg vom 30.09. - 2.10.2005

Das Heilige Grab in Magdeburg - Die dritte Investitur in Ostdeutschland

Vom 30. September bis zum 2. Oktober 2005 fand die Herbstinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem auf Einladung der Komturei St. Pius X. Berlin und der Ostdeut-schen Provinz in Magdeburg statt. In die eindrucksvolle Metropole und Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hatte es rund 560 Teilnehmer gezogen.

Die geballte katholische Menge scheint das Maritim-Hotel in Magdeburg noch nicht gesehen zu haben. Jedenfalls fragte die Dame am Empfang mehrfach, ob man zum Ärztekongress oder den Katholiken (!) wolle. Überhaupt waren so viele Ordensangehörige in Ostdeutschland für viele eine seltene Spezies.

Wer zieht auch schon im strömenden Regen über die eindrucksvolle Kulisse des Domplatzes in den gotischen Dom St. Mauritius? Kopfschütteln am Straßenrand, neugieriges Reinschauen in den 1209 begonnenen ersten gotischen Dom auf deutschem Boden, der seit der Reformation evangelischen Beschlusskirche Magdeburgs. Durch dieses Zeichen ökumenischer Gastfreundschaft und Mitchristlichkeit wurde der Einzug von Rittern und Ordensdamen, allen voran die 17 Kandidaten, ein unvergessliches Erlebnis. Großprior Bischof Dr. Anton Schlembach dankte dem evangelischen Landesbischof Axel Noack für das Gastrecht und freute sich sichtlich, zwei weitere Weihbischöfe in die Gemeinschaft aufnehmen zu können. Sie zähle jetzt „4 Erzbischöfe, darunter ein Kardinal, 7 Bischöfe und 6 Weihbischöfe. Ein eindrucksvolles Zeichen, dass die Heilig-Land-Verantwortung im deutschen Episkopat lebendig ist“, so Bischof Dr. Schlembach, der in seiner Predigt an die Märtyrer der Antike und der Gegenwart erinnerte. In ihnen realisiere sich Christi Gegenwart, der sich niemand verstellen dürfe, rief er den Gläubigen zu. Die Architektur wurde von hörbar eindrucksvoller Musik unter der Leitung von Kantor Michael Scholl und dem Chor der Biederitzer Kantorei sowie des Orchesters Telemann Konsort Magdeburg unterstrichen. Die Messe in A-Dur von Johann Sebastian Bach und Kantate „Herr ich habe lieb die Stätte Deines Hauses“ von Georg Philipp Telemann verwandelten den Dom in ein klangvolles Gotteshaus
Vielfalt einer Stadt

Bereits am Vorabend waren die Investiturteilnehmer herzlich in Magdeburg willkommen geheißen worden. Bei einem Empfang würdigte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, das Engagement des Ordens. Mit Blick auf die aktuelle politische Lage bemerkte er: „Das Fingerspitzengefühl des Bischofs von Magdeburg, davon kann auch die Politik noch lernen, dort wird Hoffnung vermittelt.“ Statthalter Oldenkott unterstrich die vielfache Arbeit im Heiligen Land: „Wir haben das Heilige Land vor Augen. Wir vergessen aber auch nicht die Not vor unserer eigenen Tür und unsere Verpflichtungen in der jeweiligen Ortskirche, auch dort zu helfen. Diese Aufgaben leben wir!“ Der Spaziergang durch Magdeburgs Innenstadt zu den Investiturorten glich einem Gang durch die Geschichte. Waren es die Kirchen der Vergangenheit, die jetzt zu neuem Glanz kommen, zeigten barock anmutende Gebäude, Neoklassizismus und Plattenbau der 60-er Jahre bis hin zu Hundertwassers Magdeburger Zitadelle die Vielfalt politischen und architektonischen Stils. Mit der Reformation war das Erzbistum Magdeburg erloschen. Erst 1994 entstand das neue Bistum Magdeburg, heute Heimstadt für über 100.000 Katholiken. Nach Berlin und Görlitz konnte die dritte Investitur in den neuen Bundesländern ausgerichtet werden.

Mehr als 560 Teilnehmer hatte es zur Investitur nach Magdeburg gezogen, das in diesem Jahr sein 1200-jähriges Bestehen feiert. 968 wurde das Erzbistum Magdeburg durch Kaiser Otto I. gegründet. Der wohl bedeutsamste Oberhirte Magdeburgs war 1126 der Heilige Norbert. Schon jetzt leuchtet in ihm gleichsam die nächste Investitur im Frühjahr 2006 in Xanten auf. Bereits zu Beginn der Feierlichkeiten hatten die Ordensdamen und -ritter die Vigil mit Marienlob in der Universitätskirche St. Petri gefeiert. Die liturgische Leitung lag bei Magdeburgs Altbischof Leo Nowak. In seiner Ansprache erinnerte er an die tiefe Mystik des Hohenliedes der Liebe: „Der Mensch, der auf Jesus, den Christus schaut und sich nach ihm ausrichtet, der wird ein neuer Mensch, geboren aus dem Wasser und dem Geist.“ In der gut renovierten Kirche sorgte der Universitätschor Magdeburg für die musikalische Gestaltung.

Beim anschließenden Begrüßungsabend hieß Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die Gäste in der Landeshauptstadt willkommen. In einer heiteren Runde bei guter Küche vermochten die Ordensmitglieder ihre historischen Physikkenntnisse aufzufrischen, als die berühmten Magdeburger Halbkugeln durch eine physikalische Demonstration vorgeführt wurden, die der historische Vorgänger des Oberbürgermeisters Otto von Guericke vornahm.

Kilometerlange Planung

Magdeburg hat die Gäste beeindruckt. Großartiges haben die Ordensmitglieder „vor Ort“ geleistet. Neben einigen Ordensangehörigen in Magdeburg selbst, kam ansonsten die gesamte Komturei Berlin und ostdeutsche Ordensprovinz zum Einsatz – die Strecke von über 150 km nach Magdeburg zur Planung zurückzulegen, ist schon eine besondere Leistung. Der Dank von Magdeburg hallte noch lange nach, als ihn der Statthalter stellvertretend für alle helfenden Händen vor Ort an den Ltd. Komtur von Berlin, Cfr. Dr. Bernhard Blaszkiewitz und den Investiturbeauftragten, Cfr. Karl Gertler aussprach. Vom Dank war die Investitur in vielerlei Hinsicht geprägt. Statthalter Oldenkott würdigte in einer bewegenden Abschiedsansprache die Verdienste der scheidenden Vorsitzenden der Heilig-Land-Kommission, Csr. Elisabeth Verreet. „Wir haben ihr viel zu verdanken“, betonte er. Cfr. Michael Wirtz, Nachfolger im Vorsitz, sprach nicht von einer Lücke, die Csr. Verreet hinterlasse, sondern von der Größe eines Scheunentors. Der lange Applaus war nur ein Zeichen vielfältigen Dankes an Csr. Verreet. Ordensbrüderliche Grüße gingen aber auch im Namen des Statthalters an alle alten und kranken Ordensmitglieder: „Dass wir an sie denken, ist das mindeste Zeichen der Solidarität“, so Statthalter Oldenkott. Frohen Herzens konnte er bekannt geben, dass die nächste Investitur in Ostdeutschland bereits 2008 in Erfurt stattfinden werde. Und: Der Gründung einer neuen Komturei in Magdeburg mit dem Namen St. Mauritius stehe nichts mehr im Wege.

Die heutige katholische Kathedralkirche St. Sebastian war der Ort für den Abschlussgottesdienst der Investitur am Sonntagmorgen unter der Leitung des Magdeburger Bischofs Dr. Gerhard Feige. Seine Worte waren deutlich: „Da, wo Gottes Angebot abgelehnt wird, wo seine liebende Sorge und Zuwendung verkannt oder missachtet werden, richtet sich der Mensch gewissermaßen selbst. Der Prophet Jesaja drückt das so aus: Wo Recht und Gerechtigkeit unter den Menschen mit Füßen getreten werden, da kann sich der Friede Gottes, sein umfassendes Heil, nicht auswirken. Da zerstört der Mensch sich selbst und die Gemeinschaft, in der er lebt.“ Die Aufführung der Messe Solennelle von Louis Vierne wurde durch den Magdeburger Domchor und den Katholischen Kirchenchor St. Martinus, Hattersheim am Main, und die erst am Tag zuvor geweihte neue Orgel der St. Sebastians-Kathedrale zu einem besonderen Ereignis. Ein kühler Wind aber nur leichter Nieselregen lud vor allem am „Tag der Deutschen Einheit“ noch zahlreiche Ordensmitglieder ein, die Gegend von Sachsen-Anhalt zu erkunden: Wittenberg und Eisleben standen ebenso auf dem Programm wie das Kloster Helfta. Dankbaren Herzens gehen viele Gedanken in guter Erinnerung nach Magdeburg zurück.

Cfrs. Dr. Bernhard Blaszkiewitz und Matthias Kopp

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