
Während des Investiturgottesdienstes predigte erstmals der neue Kardinalgroßmeister John P. Foley. Mit deutlichen Worten forderte er von den Angehörigen des Ordens ein intensives geistliches Leben in einer pluralen Gesellschaft.
Wenn Sie in Kürze als Ritter und Damen des Ordens vom Heiligen Grab in Jerusalem eingekleidet werden, bitte ich Sie, stets vor Augen zu haben, dass unser Orden nicht nur eine humanitäre Organisation zur finanziellen Hilfe für verschiedene Projekte ist, sondern eine geistliche Vereinigung der ecclesia orans et militans, der betenden und um das ewige Heil der Seelen besorgten Kirche. Aus diesem Grund bitte ich Sie ebenfalls, aus den Insignien, die Sie empfangen werden, nicht nur Zeichen der Ehre, sondern einer persönlichen Verpflichtung und eines inneren Wandels hin zu einer größeren Heiligkeit zu machen. Der Begriff des Heiligen ist heute für viele Menschen fast unverständlich geworden. Und auch viele Christen haben vergessen, dass es unser Lebensziel sein muss, Heilige zu werden und damit würdig, den heiligen Gott direkt und in Ewigkeit schauen zu dürfen. „Seid heilig, wie euer Vater im Himmel heilig ist“, heißt es in der Heiligen Schrift.
Unser Orden hat eine große Geschichte, die immer mit dem Heiligen Land verbunden war. Im Mittelalter war die Verteidigung der Christen im und der Pilger ins Heilige Land sowie zu den heiligen Stätten mit Leben, Tod und Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus verbunden. Seit der Wiederherstellung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem in der Mitte des 19. Jahrhunderts und auch seit der Wiederherstellung unseres Ordens bestand unsere Hauptaufgabe in der Hilfe für das Patriarchat und sein Seminar, seine Pfarreien, Schulen und sozialen Dienste. In Deutschland, von wo viele der ursprünglichen Ritter vom Heiligen Grab gekommen waren, wurde der Orden vor 75 Jahren hier in Köln wieder gegründet, um die christliche Präsenz im Lande zu stärken. Was nur als ein Wunder der Gnade beschrieben werden kann: Dadurch hat unser Orden in Deutschland Diktaturen, einen Weltkrieg und die mehr als 40-jährige Teilung des Landes überlebt, um eine starke Unterstützung für unsere katholischen Brüder und Schwestern in Israel, Palästina, Jordanien und Zypern zu werden.
Geistliche Gemeinschaft
Die Lebensführung und der Lebensstil eines Mitglieds unseres Ordens müssen selbstverständlich die Hingabe an den Orden als geistliche Gemeinschaft widerspiegeln: Daher lade ich Sie ein und ermutige Sie, ein geistliches Programm zu befolgen, das auch Elemente einer heute oft vergessenen Volksfrömmigkeit enthält, die ebenfalls von den Päpsten, darunter großen Intellektuellen, bis heute praktiziert wird. Diese Formen des persönlichen Gebets sind nichts anderes als die betende Erinnerung an die wichtigsten Grunddaten des christlichen und katholischen Glaubens. Das geistliche Programm wird Sie zu einer vollständigeren Kenntnis und Jüngerschaft Jesu Christi, unseres Herrn und Erlösers, führen:
1. durch Lektüre und Meditation der biblischen Erzählungen des Lebens Jesu;
2. durch häufiger und gesammeltere Teilnahme an der heiligen Messe sowie durch häufigeren und bewussteren Empfang der heiligen Kommunion;
3. durch häufiges, vielleicht tägliches Beten des heiligen Rosenkranzes, bei dem wir die wichtigsten Ereignisse und Orte im Leben Jesu meditieren;
4. durch eine besondere Verehrung des Kreuzwegs, der Kreuzwegstationen, sei es in einer Kirche oder mittels eines Gebetbuches, in der Nachfolge Jesu auf der Via Dolorosa hin zu Seinem Leiden, Tod, Bestattung im Heiligen Grab und Auferstehung;
5. durch besondere Großzügigkeit für das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, der Gemeinde der Nachfahren der ersten Jünger Jesu, die weiterhin in jenem Land leben, das durch die Anwesenheit Jesu geheiligt wurde;
6. durch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land, buchstäblich um auf den Spuren Jesu zu gehen und den Nachfahren seiner ersten Jünger, der Christen, zu begegnen.
Ihre Berufung ist eine besondere, aber er ist eine Berufung, die Ihr geistliches Leben bereichern wird, so wie sie mich reicher gemacht hat. Da Sie Ihr Versprechen als neue Ritter und Damen des Heiligen Grabes ablegen, möge Ihnen die Kraft zuteil werden, ein immer tieferes geistliches Leben zu führen in einem Geist immer größerer Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern im Glauben, die weiterhin im Land des Herrn Leben. Auf dass Gott Ihnen auch weiterhin seinen Segen zuteil werden lasse. Amen.