Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem

Als Gemeinschaft auf dem Weg - Rückbesinnung und Aufbruch bei der Jubiläumsinvestitur in Köln

Vom 16. bis 18. Mai 2008 fand in Köln die Frühjahrsinvestitur des Ritterordens statt. Sie stand ganz im Zeichen des 75-jährigen Bestehens der Deutschen Statthalterei.

Es war ein eindrucksvolles Bild, als sich rund 1.000 Mitglieder des Ritterordens und deren Angehörige im Kölner Dom versammelten und unter den festlichen Klängen der berühmten Schwalbenorgel zahlreiche Bischöfe, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, und Kardinalgroßmeister John P. Foley Einzug hielten. Die Schwaden des Weihrauchs brachten das Gebet zum Himmel empor, der Blick in die lichten Höhen der gotischen Kathedrale spiegelte etwas von der feiernden Freude der Gemeinde des Herrn. Trotz heftigen Windes und kurzem Regenschauer ließ die Sonne ab und zu den Dom in einem noch prächtigeren Licht erstrahlen: sei es durch die mittelalterliche Glaskunst oder das viele Ordensmitglieder in den Bann ziehende „Richter-Fenster“ im südlichen Querhaus.

Einzug zum Investiturgottesdienst

Der Hohe Dom zu Köln war der richtige Ort, um das 75-jährige Bestehen des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Deutschland würdig zu feiern. Für die 45 Neuinvestierten dürfte es ein Höhepunkt im Leben gewesen sein, an den Stufen des Altars im Angesicht des prächtigen Schreins der Heiligen Drei Könige niederzuknien und den Ritterschlag von Patriarch Sabbah und Kardinal Foley zu empfangen.

Aufnahmeritus

Das Versprechen, das Sie als Ordensritter ablegen, möge Ihnen die Kraft zu einem immer intensiveren geistlichen Leben und zu einer immer größeren Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern im Heiligen Land geben“, rief Foley den neuen Ordensmitgliedern zu. Domkantorei und Domkapelle sorgten für einen musikalischen Rahmen, der die Bedeutung der Investiturfeier, die Würde des Gotteshauses und die Kunst der Musik miteinander verband.

Weihbischof Melzer bei der Vigilfeier

Innere Motivation

Schon am Begrüßungsabend stand der Dom im Mittelpunkt des geistlichen Geschehens. Während der abendlichen Vigil ermutigte Cfr. Weihbischof Manfred Melzer die Ordensmitglieder, in ihrem sozialen und karitativen Engagement im Heiligen Land nicht nachzulassen. „Frieden für das Heilige Land fängt bei den Menschen vor Ort und in unseren Gebeten an“, so Melzer in der Basilika Groß St. Martin. Während der geistlichen Einstimmung der Kandidaten erinnerte Ordenszeremoniar Cfr. P. Dominik Kitta OPraem an das innere Feuer der Berufung auf dem Weg zum Leben im Ritterorden: „Mittlerweile sind Sie alle für den Weg in den Orden gut ausgerüstet. So können Sie den Weg gehen, freiwillig und entschieden. Warum Sie ihn aber gehen sollen, die Motivation, das Feuer, das in Ihnen brennen muss, ist entscheidend: Ihm zu begegnen, der in Jerusalem, der im dortigen Tempel gewohnt hat.“

Pilgergang unter dem Dreikönigsschrein

Domorganist Prof. Dr. Winfried Bönig faszinierte die Ordensmitglieder dann zu später Stunde mit einfühlsamen Orgelklängen im nahezu dunkeln Dom. Einzig der Schrein der Heiligen Drei Könige war angestrahlt, um Raum und Wort auf sich wirken zu lassen. Hunderte von Rittern gingen in stiller Prozession mit Kerzen im fahlen Licht des nächtlichen Doms unter dem Schrein der Könige den alten, traditionellen Pilgerweg im Kölner Dom. Gegensätzlicher hätten die Bilder von tiefster Stille und dem lauten Vorplatz in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof beim Verlassen des Doms nicht sein können. Als die Kathedrale schon leer und abgeschlossen war, ging Großprior Erzbischof Marx mit einer kleinen verbliebenen Gruppe von Rittern unter Führung der Dombaumeisterin, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, in die Grüfte des Doms hinab: ein Besuch auf der Baustelle für den neuen Turmzugang unter der Kirche und ein Gebet am Grab der Wittelsbacher Erzbischöfe – kurz vor Mitternacht!

Festakt im Maritim-Hotel

Die Kölner Investitur stand ganz im Mittelpunkt der 75-jährigen Gründungsgeschichte des Ordens. Daran erinnerte Statthalter Cfr. Dr. Heinrich Dickmann bei verschiedenen Anlässen, vor allem während des Festaktes am Samstagmorgen: „Die Christen im Heiligen Land sind heute wie bei Gründung der Deutschen Statthalterei auf unser Gebet angewiesen, auf persönliche Kontakte und tätige Hilfe. Die finanziellen Hilfen durch Jahresbeiträge und zusätzliche Spenden sind unverzichtbarer Ausdruck der konkreten Umsetzung der Ziele unserer Gemeinschaft.“ Die Mitgliedschaft im Orden charakterisiere sich so, was heute wie damals vor 75 Jahren Gültigkeit gehabt habe: Im Ritterorden gehe es um eine Gemeinschaft in einem weltweit tätigen päpstlichen Orden, um eine enge Verbundenheit zum Lateinischen Patriarchat, um aktives Engagement in den Ortskirchen und um die „Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft in einem christlichen Sinn. Unsere Ziele sind werthaltig und haben sich als wertbeständig erwiesen; das zeigt die Vergangenheit. Daher brauchen wir uns um die Zukunft unseres Ordens keine Sorgen machen“, so Statthalter Dr. Dickmann.

Cfr. Weihbischof Dr. Klaus Dick erinnerte in seinen Begrüßungsworten an die jahrhundertealte Pilgertradition in Köln. „Die Heiligen Drei Könige sind auf eine etwas eigenartige Weise nach Köln gekommen, man könnte fast sagen, auf anrüchige Weise. Sie waren ja eben ein Beutegut nach der Eroberung Mailands durch den Kaiser Friedrich Barbarossa, an den damaligen Erzbischof von Köln einzige Entschuldigung - er war damals noch gar nicht geweiht und hat dann eben diese Möglichkeit eröffnet, Köln zu einer solch bedeutungsvollen Wallfahrtsstätte zu machen.“ Immerhin könne man sagen, so Weihbischof Dick, dass „Reliquien als Geschenk für einen Sieg doch eigentlich noch etwas Besseres sind als wenn dann Gebietsansprüche kommen, nachdem man gesiegt hat oder gar Gerichtsverhandlungen, wer denn schuld war.“

Ehrengäste beim Festakt

Lebendig in der Gesellschaft

Großprior Erzbischof Marx stellte in seinem Festvortrag die Frage nach der Verankerung der Ordensritter als Christen in der Gesellschaft. In seiner klaren Analyse fragte er, wo heute die Kirche in der Öffentlichkeit sichtbar, wo ihr Ort in der modernen säkularen Gesellschaft sei. „Solange wir im Herzen und im Denken nur nach rückwärts schauen und meinen unseren Ort finden wir, wenn wir an ein Gemeinwesen denken, das vielleicht vor 100 oder 200 oder nur vor 50 Jahren bestanden hat, dann werden wir diese Zukunft nicht gestalten können, dann werden wir uns Schritt für Schritt in eine Nische begeben, die dazu führt, dass die Kirche ihr Zeugnis nicht so geben kann, wie es notwendig wäre.“ Mit dieser Frage gebe es verschiedene Tendenzen umzugehen. Das reiche von der nostalgischen Verklärung auf die Vergangenheit oder die Marginalisierung der Religion in der Gegenwart. „Die Gefahr, Religion, Kirche zu instrumentalisieren, für den eigenen Zweck dem Staat zu unterwerfen, ist genauso schlimm, wie die Marginalisierung, die Verdrängung des Religiösen aus dem öffentlichen Bewusstsein, weil es noch ein paar gibt, die den wissenschaftlichen Fortschritt nicht verstanden haben. Dieser Laizismus, ein Laizismus der rigorosen Art und ein Säkularismus der rigorosen Art, ist auch kein zukunftsfähiges Projekt, wenn wir an die Welt insgesamt denken, vielleicht auch gerade an den Orient denken. Also auch um der Zukunft der Gesellschaft insgesamt willen, ob wir überhaupt daran glauben können, dass weltweit Demokratie, Menschenrechte, Religionsfreiheit in einem Gemeinwesen gewährleistet werden, auch dann ist die Arbeit an einem Gemeinwesen, das säkular ist und doch religionsfreundlich, von außerordentlicher Bedeutung, von überlebensnotwendiger Bedeutung“, so Erzbischof Marx. Die Grundaussage seiner Festrede: „Wir werden nur dann als Kirche und als Religion auch in einem modernen, zukunftsfähigen Gemeinwesen Platz haben, wenn wir Glaube und Vernunft miteinander verbinden können.“

Ministerpräsident Rüttgers

Unverzichtbares Engagement

 

Neben den gesellschafts- politischen Überlegungen des Großpriors, die eine Ermutigung für die Ordensmitglieder in jeder Hinsicht waren, ging es auch um die Sorge für die Christen im Heiligen Land, die vor allem während der vielen persönlichen Begegnungen der Tage von Köln zum Ausdruck kam. In diesem Zusammenhang war es vor allem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, der das Engagement des Ritterordens im Heiligen Land würdigte. Bereits am Begrüßungsabend konnte er zu den Ordensmitgliedern sprechen: „Die Arbeit des Ritterordens, seine großen Anstrengungen im Heiligen Land beiderseits des Jordans, verdienen höchste Anerkennung. Dieses Engagement zeigt: Der Ritterorden vom Heiligen Grab ist eine überaus lebendige Gemeinschaft mit großen Traditionen. Alle Generationen sind bei Ihnen vertreten. Ritterliche Tugenden werden groß geschrieben. Ihre Hilfe für die Christen im Nahen Osten ist unverzichtbar! Sie leisten Hilfe für Menschen, denen oft alle Hoffnungen genommen ist. Der Ritterorden ist Garant dafür, dass Hoffnung für die Menschen im Heiligen Land existiert. Sie tragen dazu bei, den Menschen eine Perspektive zu vermitteln“, so Rüttgers.

Pontifikalamt in der Kirche Maria Himmelfahrt

An diese christliche Berufung erinnerte auch der Kölner Erzbischof, Cfr. Joachim Kardinal Meisner, während des sonntäglichen Gottesdienstes in der Kirche St. Maria Himmelfahrt. Christliches Leben sei ein Leben, um Zeugnis in der Öffentlichkeit zu geben. „Es muss sich bei uns niemand für den Glauben verstecken“, so der Kardinal. Dieser sichtbare Glaube zeige sich auch und gerade in der Solidarität mit den Christen im Nahen Osten.

Am Ende blieb von den Kölner Investiturtagen ein überwältigendes Bild zurück: 1.000 Gäste aus nah und fern hatten das Stadtbild geprägt. Die Kölner Komturei hatte diese Tage in minutiöser Kleinarbeit seit Monaten, ja seit Jahren vorbereitet. „Wenn dies auf freiwilliger Basis in so hervorragender Weise gelingt, wie wir das hier erleben, so ist das höchste Anerkennung wert. Allen, die sich bei der Ausrichtung dieser Feierlichkeiten beteiligt haben, spreche ich meinen herzlichen Dank aus. Insbesondere gilt mein Dank für die Koordination dem Ltd. Komtur der Komturei Köln, Cfr. Hans-Dieter Voß, Cfr. Dr. Werner Boxberg und Cfr. Dr. Gottfried Wolff, die eine fast grenzenlose Belastbarkeit gerade in den letzten Monaten und Wochen bewiesen haben“, würdigte Statthalter Dickmann die getane Arbeit. Die Feiern waren Rückbesinnung auf die eigene Geschichte und das Geleistete, sie waren aber vor allem auch Ausblick und Aufbruch auf die kommenden Jahre. „Eine Gemeinschaft wie unsere darf nicht stehen bleiben“, erinnerte Dickmann die Ordensmitglieder. „Lasst uns gemeinsam auf dem Weg sein“, hieß sein Appell und die damit verbundene Einladung eines Wiedersehens zur Herbstinvestitur in Erfurt.

Cfr. Matthias Kopp

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Die Juni-Ausgabe des Vatikan-Newsletter enthält eine Botschaft des Kardinal-Großmeisters und Berichte.

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