Investitur in Köln vom 16. - 18. Mai 2003

„Friede und Versöhnung“ - Die Deutsche Statthalterei feiert 70 Jahre

Köln als Sitz des Ritterordens vom Heiligen Grab hatte vom 16. bis 18. Mai 2003 zur Frühjahrsinvestitur eingeladen. Zwischen Romanik und Gotik wurden sieben Jahrzehnte Deutsche Statthalterei gefeiert.

Beginn vor 70 Jahren

Der Krieg im Irak ist vorbei und der Friedensprozess im Heiligen Land versucht - trotz Anschlägen und Besatzung - immer wieder neue Anläufe zu nehmen. Unter diesem Eindruck fand die Frühjahrsinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Köln statt. Vor 70 Jahren wurde hier am 7. und 8. Dezember 1933 die Gründungsversammlung der Deutschen Ordensprovinz begangen, nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Neukonstitution der Deutschen Statthalterei im Jahre 1950. 70 Jahre war jetzt ein runder Geburtstag und das Ereignis galt gefeiert zu werden, weshalb sich über 800 Mitglieder und Angehörige, Gäste und Freunde des Ordens auf den Weg nach Köln machten. Die Tage waren unter das Motto gestellt, das nicht besser hätte passen können: „Friede und Versöhnung“.

Köln - eine "erprobte" Investiturstadt

Fraglos sind Köln und seine Komturei Heilige Drei Könige investiturerprobt: Immerhin haben hier im Laufe der Geschichte mehr als 30 Feiern zum Ritterschlag stattgefunden. Die prachtvolle Spannung zwischen Romanik und Gotik, belebter Fußgängerzone und ruhigen Gassen (und zu anderen Jahreszeiten zwischen Kölsch und Karneval) prägen die Stadt. Kurz vor der Investitur hatte eine Umfrage noch gezeigt, dass der Kölner Dom das beliebteste Touristenziel in Deutschland sei. Der Dom blieb auch bei der Investitur der Magnet für Menschenmengen, so weit das Auge reichte. Mancher Ritter war da im Gewühl nicht ohne weiteres erkennbar. Zu den besonderen Entdeckungen dieser Investitur gehört die (für viele unbekannte) Kirche St. Andreas, die seit der Gründung der Deutschen Statthalterei die Ordenskirche ist. Kaum fünf Fußminuten vom Hauptbahnhof entfernt, lädt die Dominikanerkirche zum stillen Verweilen ein. Seit der Kapitelsitzung während der Investitur hat sie jetzt auch ein sichtbares Zeichen des Ordens. Feierlich konnte in einer der linken Seitenkapellen, dort wo ein eindrucksvolles Triptychon die Auferstehung Christi zeigt, eine Bronzetafel enthüllt werden, die an die Gründung 1933 erinnert. Runde Geburtstage lassen viele Gäste kommen, so dass auch der Kardinalgroßmeister aus Rom mit dem Kanzler des Ordens, Cfr. Conte Agostino Borromeo, sowie dem Vizegeneralgouverneur und Statthalter Norditaliens, Cfr. Pier Luigi Parola, anreisten: Kardinal Carlo Furno hat bereits mehrere Investituren in Deutschland miterlebt, Köln war eine Novität. Gleich drei Stunden erlebte er den Dom nicht nur von allen Seiten, sondern auch von den Ausgrabungen bis hin zum Dach

Dank des Kardinalgroßmeisters

Und der Kardinal dankte der Deutschen Statthalterei bei verschiedenen Gelegenheiten für das wichtige und großherzige Engagement: „Großzügigkeit gegenüber dem Nächsten zeichnet Euch in Eurem Land aus. Ihr habt die Leiden der anderen erkannt und seid bereit, sie mit ihnen als Freunde zu teilen.“ Die Kirche in Deutschland habe nicht nur wichtige theologische Denker hervorgebracht, sondern gerade die karitative Hilfe in aller Welt - Kardinal Furno nannte vor allem Misereor und Adveniat - sei ein weithin sichtbares Zeichen. „Der Beitrag der Deutschen Statthalterei für das Heilige Land ist unverzichtbar“, so Kardinal Furno. Der Gast aus Rom wurde nicht müde zu betonen, dass es für die Ordensmitglieder neben der materiellen vor allem auch eine spirituelle Verpflichtung gebe: Gelebtes Christsein sei in der Welt von heute nicht einfach, von Mitgliedern des Ritterordens aber täglich gefordert.

Das meinte auch der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, der der Vigilfeier am Vorabend der Investitur vorstand. In der Kirche St. Aposteln forderte er eindringlich ein Bekenntnis zum Kreuz und das Hineinstrahlen des Christseins in die Gesellschaft: „Lasst uns endlich wieder von Gott sprechen“, forderte Meisner, der gleichzeitig die Bedeutung des Heiligen Landes für die heutige Zeit unterstrich: „Das Heilige Land ist die identitätsstiftende Größe der Urgemeinde. Die Sorge und Verantwortung für dieses Land ist in unsere Seelen eingeschrieben!“
Glanzvolle Investiturfeier im Kölner Dom

Das Bekenntnis zum christlichen Glauben wurde am Nachmittag der Investitur offensichtlich. Ein endloser Zug der Ritter und Ordensdamen von St. Andreas über die Domplatte in die Kathedrale war mindestens ebenso eindrucksvoll wie die musikalische Gestaltung und das Erleben des Doms als Ort der Liturgie.

Kardinal Furno, der dem Gottesdienst vorstand, wurde in der Predigt durch Cfr. P. Otfried Reuter vertreten, der Jesus als einen neuen Weg zum Leben betrachtete: „Mitten hinein in diese Welt voller Gewalt stellt Jesus seine Botschaft vom Gewaltverzicht“, so P. Reuter. Jesus sei den Weg des Friedens gegangen und habe dabei nicht sein Selbstwertgefühl preisgegeben. Die Botschaft im Dom zu Köln war eindeutig: „Liebe schluckt nicht alles. Sie darf sich wehren um der Wahrheit willen.“
Mit 38 neuen Ordensdamen und Rittern, zu denen auch der Bischof von Fulda, Heinz-Josef Algermissen gehörte, wurde die Feier im Dom zu einer der größten Investituren und zu einem eindrucksvollen Zeugnis, dass der Orden mutig und zuversichtlich in das nächste Jahrzehnt seines Bestehens gehen kann.

Festlicher Abend im Kölner Gürzenich

Wo sonst Karnevalssitzungen und Liederabende stattfinden, trafen sich die Ordensmitglieder am Abend des Investiturtages zum festlichen Essen: Im Gürzenich zu Köln. Dieser bedeutendste gotische Profanbau (was man ihm von innen nicht ansieht, vor allem nicht im Festsaal, der eine sachliche Nüchternheit kaum überwindet) verdankt seinen Namen einem Anwesen, das bis 1233 dem Dürener Adelsgeschlecht der Herren von Gürzenich gehörte. Die Neuinvestierten wurden begeistert empfangen, der Kardinalgroßmeister genoss das bunte Treiben und langen Beifall fand der Dank des Statthalters, Cfr. Prof. Dr. Paul Oldenkott, als er das Engagement der Kölner Komturei und ihres Ltd. Komturs Cfr. Theo Völlmecke würdigte. „Jetzt fühle ich mich frei“, bemerkte der Bedankte wenige Tage später. Logistik und Organisation, Verpflegung und Spirtualität für über 800 Menschen zu bewältigen, ist keine leichte Aufgabe. Cfr. Völlmecke und seinem Stab ist es gelungen.
Auch Kardinal Furno nickte anerkennend: Ja, er wolle gerne nach Köln wiederkommen. Unterwegs erzählen wir ihm von der Karnevalshymne „Ich möcht’ zu Fuß nach Kölle gehn“. Die Einladung steht jedenfalls. Gern stellte er sich mit Mitgliedern der Komturei Fulda und dem neu investierten Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen zu einem Erinnerungsfoto.

Einsatz für das Heilige Land

Bei aller Festtagsfreude blieb aber eine Frage: Kann es Frieden im Heiligen Land geben? Bewegende Berichte einzelner Ordensmitglieder, dramatische Schilderungen über die soziale und wirtschaftliche Notlage der Menschen in Nahost und die Präsenz von jenen, die die Hilfe des Ordens im Heiligen Land koordinieren, konnten zwar keine erschöpfende Antwort geben, ließen die Gemeinschaft aber noch einmal mehr verstehen, warum ihr Engagement so unverzichtbar ist. Der griechisch-orthodoxe Christ Bassim Khoury durfte im Gürzenich die Auszeichnung des Ordens „al merito“ empfangen für seine findige und selbstlose Art, Medikamente an Ort und Stelle zu bringen, wo sie in den palästinensischen Autonomiegebieten gebraucht wurden. Khoury ist sicherlich das sichtbarste Beispiel für dieses Engagement. „Hier bin ich verwurzelt“, meint er. „Und da wo ich Wurzeln habe, will ich helfen. Die Hilfe aber, die kommt von Ihnen!“

Dankgottesdienst in St. Kunibert

Die Verpflichtung zur Hilfe unterstrich auch Cfr. Weihbischof Manfred Melzer, der den Sonntagsgottesdienst in der romanischen Kirche St. Kunibert mit der Ordensgemeinschaft feierte. Die eigene Bequemlichkeit gelte es zu überwinden, um Christus neu zu entdecken, so Melzer. Noch lange klangen die dramatischen und eindringlichen Melodien von Joseph Haydns „Nelson-Messe“ nach, die den liturgischen Rahmen in St. Kunibert prägte. „Friede und Versöhnung“ wurde so selbst in der Musik gegenwärtig, denn während Haydn an der Messe arbeitete, erreichte ihn die Nachricht vom Sieg Nelsons über die Napoleonische Flotte bei Abukir.

Petrus meinte es gut während der Investitur. Während die Fahnen des Ordens mit dem Jerusalemkreuz noch im Wind wehten und sich Ordensdamen und Ritter schon wieder auf Autobahnen und in Zügen befanden, da schwang zum Abschied für jeden noch ein Vers mit, der zwar nicht im Programm vorkam, aber doch mitgedacht wurde und nicht nur im Kölner Karneval Bedeutung hat: „Das Herz von der Welt, das schlägt in Köln.“

Cfr. Matthias Kopp

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