Investitur in Karlsruhe vom 4. - 6. Mai 2007

Abschied und Aufbruch - Frühjahrsinvestitur in Karlsruhe

Im „fächerförmigen“ badischen Karlsruhe fand vom 4. bis 6. Mai 2007 die Frühjahrsinvestitur des Ordens statt. Neben den Neuinvestierten stand vor allem der neue Statthalter im Mittelpunkt des Geschehens.

Als der badische Markgraf Karl Wilhelm 1715 den Grundstein für sein Schloss gelegt und das noch nicht existente Karlsruhe diesem fächerförmig zuordnete, hätte er sich auch nicht träumen lassen, dass eines Tages mehrere hunderte Damen und Ritter durch die Straßen seiner Stadt ziehen würden. Mittelpunkt dieses Geschehens war die katholische Stadtkirche St. Stephan, dem Pantheon in Rom als eindrucksvoller Kuppelbau nachgeahmt. Unter den Klängen von Michael Haydns Theresienmesse bildete der Investiturgottesdienst das Zentrum der Feierlichkeiten, die von der Komturei St. Bernhard von Baden in mühevoller Arbeit ausgerichtet worden war. „Eine Atmosphäre wie damals in Paderborn“, meinte eine Investiturteilnehmerin und erinnerte sich an die Amtseinführung von Statthalter Cfr. Prof. Dr. Paul Oldenkott im Jahr 1999. Tatsächlich war es so etwas wie Abschied und Aufbruch in jenem Moment, als während des Investiturgottesdienstes die goldene Amtskordel vom bisherigen dem neuen Statthalter, Cfr. Dr. Heinrich Dickmann, umgelegt wurde.
Statthalterwechsel

Acht Jahre hat Statthalter Cfr. Oldenkott die Deutsche Statthalterei geleitet, zusammen mit seinem Kanzler, Cfr. Dr. Detlef Brümmer, der während der Kapitelsitzung ebenso wie der Schatzmeister, Cfr. Hans-Michael Hornberg, mit langem Applaus verabschiedet wurde. Der neue Statthalter, Cfr. Dickmann, würdigte den „verdienstvollen Einsatz“ von Cfr. Oldenkott gerade vor Ort im Heiligen Land: „Seine zahlreichen Reisen, auch in entferntere, nicht einfach zu erreichende Gebiete Palästinas, seine lebendigen Berichte über die schwierige Situation der Menschen dort und sein nicht nachlassender Eifer, die Not ein wenig zu lindern, waren überzeugende Zeichen, wie er sich für die Ziele unseres Ordens eingesetzt hat; damit hat er uns Mut gemacht und Ansporn gegeben.“ Dem schloss sich Kardinalgroßmeister Carlo Kardinal Furno in einer Grußbotschaft an die Investiturteilnehmer an und gratulierte dem neuen Statthalter zu dessen künftiger Aufgabe: „Neue Persönlichkeiten, die ausgestattet sind mit einem frischen Enthusiasmus und einem neuen Willen, ihre professionellen Kompetenzen, ihren Erfahrungsschatz und ihre Eignungen dem Orden zur Verfügung zu stellen, werden dem Orden neues Leben einhauchen“, so Kardinal Furno. Dem Dienst für den Orden wolle er sich stellen, betonte Statthalter Cfr. Dickmann während der Statthaltereirats- und Kapitelsitzung sowie in seiner Ansprache am Festabend: „Als ich meine Ernennung erhalten habe, war ich emotional und auch rational sehr bewegt. Die Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringt, wurde für mich zunehmend realistischer … Dennoch bleibt nicht Unsicherheit bei mir, sondern Freude über das Vertrauen des Kardinalgroßmeisters; ich habe damit Möglichkeiten, mich für unsere Gemeinschaft einzusetzen, an die ich vor wenigen Monaten nicht gedacht habe.“ Aus dem Gefühl der Gemeinsamkeit heraus wolle er mit den Ordensmitgliedern alles dafür tun, was der Erreichung der Ordensziele dienlich sei, so der neue Statthalter.
Neuer Großprior

Und noch ein Neubeginn war in Karlsruhe spürbar: Der neue Großprior des Ordens in Deutschland stand erstmals einer Investiturfeier vor. Nachdem Großprior Cfr. Bischof Dr. Anton Schlembach bereits in Augsburg feierlich verabschiedet worden war, begeisterte der neue Großprior Cfr. Bischof Dr. Reinhard Marx aus Trier die Investiturteilnehmer. Der Glaube an Christus sei ein Zivilisationssprung, rief er den Ordenmitgliedern und zahlreichen Gästen in St. Stephan zu. „Unsere Berufung zum Christsein ist anspruchsvoll aber auch schön. Deshalb ist es gut, wenn Ordensmitglieder im Orden, aber gerade auch in Alltag und Beruf Zeugnis von ihrem Christsein ablegen und der ihnen je eigenen Berufung nachkommen. Das Christsein hört nicht an der Kirchtür auf“, so der Großprior. Deshalb sei es ein gutes Zeugnis, wenn heute noch eine christlich katholische Ritterschaft existiere: „Das hat etwas mit dem Vorhandensein von Tugenden zu tun. In ritterlichen Tugenden gestalten wir den Alltag unseres Lebens und damit unsere Gesellschaft mit. Das ist Auftrag und Zeugnis zugleich!“
Ritterliche Tugenden werden seit der Investitur in Karlsruhe von 19 neuen Consorores und Confratres erwartet. Vorbereitet durch die Einführungswochenenden des Ordens sprachen sie ihr „Ich bin bereit“, um dem Orden beizutreten und die Insignien zu empfangen. Csr. Dr. Astrid Kreil-Sauer betonte deshalb auch für die Neuinvestierten am Festabend, die Beweggründe, zum Orden gefunden zu haben. Soziales Engagement, Spiritualität und das Erleben einer Gemeinschaft seien einzelne Gründe. „Ausschlaggebend für mich war die Summe aus all diesen Teilen, die für mich eine bislang so nirgends anderswo erlebte Einzigartigkeit darstellt.“ Der Dank an diesem Abend galt ebenso der gastgebenden Komturei St. Bernhard von Baden mit ihrem Ltd. Komtur Cfr. Franz Isak und seinem Investiturteam.
Karlsruhe zeigte sich von seiner besten Seite, wenn auch mancher Regenschauer unvermeidbar war. Oberbürgermeister Heinz Fenrich würdigte in einer Grußadresse an die Investiturteilnehmer ebenfalls die ritterlichen Tugenden: „Die Tugenden, die das alte Rittertum trugen, sind keine Erfindungen mit mittelalterlichem Verfallsdatum. Sie sind vielmehr die Summe der ethischen Kultur des Abendlandes seit seinen Anfängen. Die vier Grundhaltungen Beständigkeit, Maß, Treue und Mildtätigkeit, die den Ritter auszeichnen und kennzeichnen, sind auch heute noch aktuell.“ Um diese Aktualität ging es auch schon zu Beginn der Investitur. Der Karlsruher Stadtdekan und Prior der südwestdeutschen Ordensprovinz, Cfr. Dieter Holderbach, bezeichnete während der Vigilfeier den Orden als Weggemeinschaft. „Unsere Gemeinschaft ist nicht dazu berufen, sich in einer warmen katholischen Nische einzunisten, sondern diese Gemeinschaft des Glaubens Wirklichkeit werden zu lassen und sie nach außen zu bezeugen.“ Papst Benedikt XVI. fordere die Gründung von kleinen Gruppen oder Weggemeinschaften.
Unsere Gemeinschaft ist nicht dazu berufen, sich in einer warmen katholischen Nische einzunisten, sondern diese Gemeinschaft des Glaubens Wirklichkeit werden zu lassen und sie nach außen zu bezeugen.“ Papst Benedikt XVI. fordere die Gründung von kleinen Gruppen oder Weggemeinschaften. „Dann müssen unsere Komtureien solche Weggemeinschaften im Glauben werden“, sagte Cfr. Stadtdekan Holderbach. Weggemeinschaft zeigte sich in Karlsruhe auch im ökumenischen Miteinander, denn die evangelische Stadtkirche gewährte Gastfreundschaft für das Abendlob des Ordens. Cfr. Stadtdekan Holderbach bemerkte dazu: „In Baden gehen die Uhren der Ökumene sowieso anders. Schon bei der Gründung von Karlsruhe war das friedliche Zusammenleben der Bürger in den verschiedenen Konfessionen und Religionen dem Großherzog ein großes Anliegen.“
Sorge um das Heilige Land

Die Investitur war geprägt von der Sorge um die Christen im Heiligen Land. Während des Sonntagsgottesdienstes erinnerte der Freiburger Erzbischof, Cfr. Dr. Robert Zollitsch, an die Liebe Gottes. Es sei eine verzeihende Liebe, die auch im Heiligen Land spürbar werden müsse, so Cfr. Erzbischof Dr. Zollitsch: „Eine Sehnsucht nach Frieden ist auf allen Seiten zu spüren: Doch wie schwer ist es, aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt auszubrechen! Wie viel Mut erfordert es, hier zur Vergebung von erlittenem Unrecht und zur Versöhnung aufzurufen. Wie ungeheuerlich erscheint da die Botschaft einer Liebe, die mit dem Verzeihen beginnt. Aber auch wie unersetzlich! Es gibt dazu keine andere Wahl.“
Die Christen und insbesondere die Ordensmitglieder hätten eine Verpflichtung, um Wege zu finden, die aus der oftmals unbarmherzigen Realität heraus führten: „Wo wir es an uns selbst erfahren, wie schwer, aber auch wie beglückend und bereichernd es ist, zu verzeihen und Verzeihung zu erfahren, dort können wir anderen dabei helfen“, so Erzbischof Zollitsch.

In verschiedenen Beiträgen während der Kapitelsitzung stand die Lage im Heiligen Land im Mittelpunkt. Patriarch Michel Sabbah, Großprior des Ordens, appellierte in seiner Botschaft an die Ordensmitglieder in der Hilfe, vor allem im Gebet, nicht nachzulassen. „Unsere Berufung in diesem Heiligen Land ist eine schwierige, die wir aber annehmen, um von Jesus Zeugnis zu geben in seinem Land und sein Kreuz zu tragen“, so Patriarch Sabbah. Statthalter Dr. Dickmann forderte die Ordensmitglieder auf, den Christen im Heiligen Land so zu helfen, dass deutlich wird, „wir sind verantwortlich für ihre Zukunft“. Deshalb wolle der Orden mit seinen Sammlungen während der Investitur in Karlsruhe vor allem den Medicament Emergency Fund unterstützen. „Diese Hilfsaktion musste 2005 beendet werden, da die Mittel auf-gebraucht waren. Mit Ihrer Unterstützung werden wir dieses Verfahren wieder aufleben lassen“, betonte der Statthalter.

Am Ende der Investitur war es das sichere Gefühl, sich als Gemeinschaft des Glaubens gestärkt zu wissen. Dazu zählten auch jene Ordensmitglieder, die durch Alter oder Krankheit nicht an der Investitur teilnehmen konnten, wie der scheidende und neue Statthalter betonten. Die Tage in Karlsruhe haben erneut ein klares Bild von der dramatischen Situation im Heiligen Land gezeichnet, der sich niemand im Orden entziehen kann. So bleibt der dankbare Blick zurück auf den Statthalter, Kanzler und Schatzmeister und deren Ehefrauen in den vergangenen acht Jahren. Und es kommt der Blick nach vorne auf die Leitung der Deutschen Statthalterei unter Statthalter Cfr. Dr. Dickmann. Karlsruhe war Abschied und Aufbruch der Weggemeinschaft des Ritterordens.

Cfr. Matthias Kopp

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