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Ritterorden vom Heiligen Grab zu JerusalemPredigt von Cfr. Erzbischof Dr. Werner Thissen, Hamburg, im Dankgottesdienst anlässlich der Investitur am 23. Mai 2010 im Mariendom zu Hamburg![]() Verehrte, liebe Consorores und Confratres aus der Gemeinschaft der Grabesritter, liebe Gemeinde, in der vergangenen Woche hatte ich im Norddeutschen Rundfunk die Morgenandachten zu halten. Es ging, wie könnte es in den Tagen vor Pfingsten anders sein, um den Heiligen Geist. Manche Hörerinnen und Hörer melden sich dann, stellen Fragen, üben Kritik, bedanken sich, sagen ihre Meinung. Eine Reaktion lautete: „Sie sprechen immer vom Heiligen Geist. Ich habe dazu zwei Fragen: Sagen Sie mir in einem Satz, wer das ist, der Heilige Geist. Und in einem zweiten Satz, warum Sie den Heiligen Geist so wichtig finden.“ Wer bist du, Heiliger Geist? In der Verkündigung Jesu spielt er eine entscheidende Rolle. Sie haben das gerade in den biblischen Texten wieder gehört. Die äußeren Zeichen von Feuer und Sturm in Jerusalem am ersten Pfingstfest bleiben einmalig. Aber die bezeichnete Wirk-lichkeit, die bleibt gültig. Vom Anfang der Kirche bis heute und weiter bis zum Ende der Zeit. Deshalb können wir auch mit Zuversicht unseren Weg in der Kirche gehen. Trotz allem. Deshalb freue ich mich darauf, heute Nachmittag mit achthundertfünfzig Pfadfindern aus unserem Erzbistum den Gottesdienst im Zeltlager feiern zu können. Deshalb freue ich mich auf die zweiundachtzig erwachsenen Firmbewerber, die morgen hier im Mariendom das Sak-rament der Firmung empfangen. Aber wer bist du, Heiliger Geist? Wenn ich nach einem Menschen frage, wer er ist, dann kann ich Namen, Alter, Wohnort, Beruf und vieles andere nennen. Aber weiß ich dann, wer er ist? So sind in theologischen Büchern alle Schriftstellen der Bibel über den Heiligen Geist aufgeschrieben und ausgedeutet. Aber weiß ich dann, wer er ist? Bei einem Menschen kann ich erst dann erfahren, wer er ist, wenn ich mich auf ihn einlasse. So ist das auch mit dem Heiligen Geist. Ich erfahre, wer er ist und was er für mich bedeutet, wenn ich mich auf ihn einlasse. Aber wenn ich mich auf einen Menschen einlasse, ihn immer mehr kennenlerne, dann kann ich wohl ein Stichwort nennen, das diesen Menschen besonders charakterisiert. Gibt es auch ein Stichwort, das den Heiligen Geist besonders charakterisiert? Für mich heißt das charakteristische Stichwort für den Heiligen Geist: Beziehung. Der Heilige Geist ist lebendige Beziehung zwischen Gottvater und Sohn. Und ebenso ist der Heilige Geist lebendige Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Er ist Beziehung der Menschen untereinander. Beziehung horizontal in der Gegenwart. Beziehung vertikal durch die Zeiten hindurch. Der Heilige Geist ist wie eine Brücke, von einem Ufer zum anderen. Das ließe sich jetzt durch viele Stellen der Bibel belegen. Aber interessanter, weil existenzieller, ist vielleicht für Sie etwas anderes. Die Frage nämlich für jeden und jede einzelne hier: Wie sehr bin ich denn geprägt vom Heiligen Geist? Und das heißt auch: Wie beziehungsfähig bin ich? Vorsicht, da lauern viele Missverständnisse. Gemeint ist nicht: Kann ich leicht auf andere zugehen? Finde ich schnell Kontakt? Bin ich ein guter Unterhalter? Habe ich viele Bekannte? Das alles ist nicht gemeint. Gemeint ist: Ist bei mir die dreifache Beziehung lebendig? Also: Die Beziehung zu Men-schen, die Beziehung zu Gott und die Beziehung zu mir selbst. Anders gefragt: Kann ich Ja sagen zu Menschen, zu Gott und zu mir selbst. Ja sagen zu Menschen, auch wenn sie mich enttäuscht, verletzt oder gelangweilt haben. Oder lasse ich sie dann fallen? Das ist eine Frage der Beziehungsfähigkeit. Ja sagen zu Gott, auch aus guter Gewohnheit, aber auch spontan im Gebet oder in einer Tat der Nächstenliebe. Ja sagen zu mir selbst, auch mit meinen Fehlern, auch mit meinen negativen Seiten, auch mit meinen Verletzungen. Der Heilige Geist ist Beziehung, und ihm öffnen wir uns an diesem Pfingstfest, damit sich die Beziehung zu Menschen, zu Gott und zu uns selbst weiter entfalten kann. Und dann kann es zur Gewissensfrage werden, welches Ja ich verstärken muss, das Ja zu bestimmten Men-schen, das Ja zu Gott oder das Ja zu mir selbst – und das nicht theoretisch, sondern prak-tisch. Für uns in der Gemeinschaft der Grabesritter spielt wegen des Heiligen Landes, des Landes Jesu, die Beziehung zu Gott und zu den Menschen in Israel eine besondere Rolle. Ich emp-finde es als starke Herausforderung und als große Bereicherung, für das Land Jesu und für die Menschen dort mich einzusetzen. Auch das ist eine Beziehung, die sich im Heiligen Geist immer mehr entfalten soll. Jetzt müssten wir eigentlich gemeinsam über die Gaben des Heiligen Geistes nachdenken. Dazu gehört auch die Frage, welche der sieben Gaben mir am meisten gegenwärtig ist. Aber das würde zu lang dauern. Über die Gaben des Heiligen Geistes ging es in den Morgenan-dachten der letzten Woche. Sie können sie leicht aus dem Internet herunterladen. Aber eines sollten wir jetzt noch tun: Dass wir uns öffnen für das dreifache Ja. Zu Gott, zu den Menschen, zu uns selbst. Wie das geht? Indem Sie als ständigen Begleiter durch diesen Tag und die kommenden Tage das Gebetswort wählen: Komm, Heiliger Geist. Amen. |
Aktuelles
John Kardinal Foley gestorbenDer frühere Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom heiligen Grab zu Jerusalem, der US-amerikanische Kardinal John Patrick Foley, ist am Sonntag, dem 12.12.2011, an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung in Philadelphia verstorben.Herbstinvestitur in OsnabrückGut 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am Wochenende 30.09. - 2.10.2011 in Osnabrück zur Herbstinvestitur der deutschen Statthalterei des Ritterordens vom heiligen Grab zu Jeruslaem. Papst Benedikt XVI. ernennt Pro-GroßmeisterAls Nachfolger von John Patrick Kardinal Foley hat Papst Benedikt XVI. den bisherigen Erzbischof von Baltimore, Edwin Frederick O`Brien (72), zum Pro-Großmeister des Ritterordens vom heiligen Grab zu Jerusalem ernannt.Vaitkan-Newsletter Nr. XXIII erschienenDie neueste Ausgabe des Vatikan-Newsletter vom August 2011 ist erschienen. |