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Ritterorden vom Heiligen Grab zu JerusalemVeni Sancte Spiritus - Investitur in Hamburg vom 21. - 23. Mai 2010![]() Die Elbestadt präsentiert sich an den drei Investiturtagen unter blauem Himmel, Segelboote mit ihren weißen Segeln geben sich der leichten Brise auf der Außenalster hin, überall auf den Straßen fröhliche Menschen, die sich darüber freuen, dass der Frühling endlich Einzug hält.
Insgesamt 750 Ritter, Damen und deren Angehörige folgen der Einladung der Komturei St. Ansgar zu den Investiturfeierlichkeiten. Unser Statthalter Cfr. Dr. Heinrich Dickmann drückt seine Freude im Begrüßungsschreiben an die Sorores und Confratres so aus: „Die Deutsche Statthalterei stellt mehr als fünf Prozent der Ordensmitglieder weltweit und ist in den vergangenen Jahren erfreulich gewachsen; gerade junge Katholiken haben wir für unsere Zielsetzung begeistern können.“ Der Bistumspatron, der Benediktiner Ansgar (801-865), wurde 831 als erster Erzbischof des neu gegründeten Bistums Hamburg zur Hammaburg geschickt , um von hier aus den heidnischen Norden zu missionieren, dort wo die „wilden Wikinger“ wohnten. „Er wollte den Blinden Auge, den Lahmen Fuß und den Armen ein wahrer Vater sein.“, so wird über den „Apostel des Nordens“ berichtet. „Wir alle sind berufen, Zeugen des Testaments zu sein und bemühen uns, glaubwürdiges Zeugnis abzugeben in Tat und Wahrheit, offene Augen, Ohren und Herzen zu haben für die Wunden und Nöte der Menschen unserer Tage, insbesondere der Christen im Heiligen Land“, so beten wir in unserem Ordensgebet und somit kann uns St. Ansgar durch sein Leben ein großes Vorbild sein. ![]() St. Ansgar und die Bürgerschaft
Der Hamburger Weihbischof, unser Cfr. Dr. Hans-Jochen Jaschke, stimmt die 27 Kandidaten, darunter vier Damen und acht Geistliche, und die Gemeinschaft der Ritter und Damen in der evangelischen Hauptkirche Sankt Petri, der ältesten Pfarrkirche Hamburgs, in der Pontifikalvesper auf die Investiturfeierlichkeiten ein.
Ein paar Schritte von St. Petri entfernt ist das Hamburger Rathaus. Dort wo sonst Staatsoberhäupter und Monarchen empfangen werden, begrüßt der Präsident der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Bernd Röder, die Festgesellschaft im großen Festsaal, der mit prächtigen Wandgemälden geschmückt ist. ![]() Besonders auf eines der Gemälde weist der Präsident hin: die Missionierung Hamburgs durch den Heiligen Ansgar. Eine Anekdote überliefert, dass der Senat, als er dieses Bild sah, erklärte, es könne historisch nicht richtig sein, dass der abgebildete knieende Heide vor St. Ansgar ein früher Hamburger sei, denn ein Hamburger würde nicht knien, weder vor dem Bischof, noch vor dem Kaiser. Daraufhin musste der Maler den Knieenden übermalen, und der Bischof segnet auf dem Bild nun ins Leere.
In den Gewölben des Rathauses findet dann auch der Begrüßungsabend statt. Die 70 (!) Jugendlichen der „Rittergemeinde“ allerdings treffen sich im Brauhaus „Albrecht“ gegenüber dem Rathaus und es wird berichtet, dass sich die „Ritterjugend“ prächtig unterhält inklusive einer kleinen Brauereiführung.
Die Einstimmung der Kandidaten in der katholischen Kirche St. Ansgar, „Kleiner Michel“ genannt, gestaltet sich wie in den vergangenen Jahren ruhig und kontemplativ. Durch den Heiligen Geist „ist uns die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen. Du teilst einem jeden seine besondere Gabe zu aus dem Reichtum deiner Gnade: die Gabe zu helfen und zu heilen, zu raten und zu trösten, zu leiten und zu lehren, in der Gesinnung Christi zu beten und zu leiden“, so beten wir. ![]() Globalisierung Gottes
Die Hamburger Komturei hat einen gut funktionierenden Busshuttle-Service organisiert, der die Ordensmitglieder pünktlich von den Hotels zum „Großen Michel“, dem Wahrzeichen der Stadt Hamburg, bringt. Schon ziehen hinter dem Jerusalemkreuz die Kandidaten, die Damen und Ritter unter dem herrlichen Geläut der „Jahrtausendglocke“ in einer Prozession vorbei an unserem Großprior, Cfr. Erzbischof Prof. Dr. Reinhard Marx, in die helle und lichte Barockkirche. Orgelmusik von Händel erfüllt den Kirchenraum, der berühmt für seine wunderbare Akustik ist. Während des Investiturgottesdienstes dürfen wir uns an Werken von Bach, Telemann und Buxtehude erfreuen. ![]() Eindrucksvoll ist die vom Heiligen Geist durchwirkte Geste, als der evangelische Hauptpastor Alexander Röder, der die Katholiken in der evangelischen Kirche herzlich willkommen heißt, unseren Großprior hinauf auf die Kanzel geleitet. In seiner Predigt nannte Marx die Kirche eine „globale Sammlungsbewegung“. Sie stelle der Globalisierung der Macht und des Unrechts die Globalisierung Gottes entgegen. „Der Rhythmus der Globalisierung muss von der Liebe vorgegeben werden“, mahnte Marx. ![]() Im Hotel Grand Elysee trifft sich die Ordensfamilie zum Festabend. Die „Ritterjugend“ wird vom weltlichen Zeremoniar, Cfr. Hermann Sommer, besonders begrüßt. „Zehn Prozent der Teilnehmer der Investitur sind Jugendliche! Ist das nicht schön?“, fragt er die Festgemeinde. Statthalter Cfr. Dr. Dickmann fordert von den Ordensmitgliedern Treue zur Kirche auch in schwierigen Zeiten: „Es ist nicht einfach, zu jeder Zeit vom Kurs überzeugt zu sein. Identifikation mit den Zielen und Vertrauen in die Ermittlung des Kurses und die ständige Überprüfung der eingeschlagenen Richtung sind dringend erforderlich.“ Beim Dankwort der Neuinvestierten mahnt der Bremer Propst Dr. Martin Schomacker eine tiefe Spiritualität der Ordensmitglieder an: „Demütig müssen wir bedenken, dass wir aus eigener Kraft dies nicht leisten können. Unsere besondere Verbundenheit mit dem Heiligen Grab in Jerusalem erinnert uns daran, dass wir aus dem Geheimnis unseres Glaubens heraus leben.“
Gottes Geist entfalten
Früh aufstehen heißt es am Pfingstsonntag zur Statio bei der Statue des Heiligen Ansgar vor dem Mariendom, dem ersten katholischen Neubau im neoromanischen Stil nach der Reformation in Hamburg im Jahr 1893. Als 1995 Hamburg wieder zum Erzbistum erhoben wurde, wird die Marienkirche zum Dom erhoben. Unser Cfr. und Prior der Norddeutschen Ordensprovinz, Erzbischof Dr. Werner Thissen, ist seit 2003 Erzbischof von Hamburg. In einem bewegenden Pfingstgottesdienst mit dem Palestrina-Ensemble des Domchores rückt auch er in seiner Predigt das Wirken des Heiligen Geistes in den Mittelpunkt: „Der Heilige Geist ist Beziehung, und ihm öffnen wir uns an diesem Pfingstfest, damit sich die Beziehung zu Menschen, zu Gott und zu uns selbst weiter entfalten kann.“ Im Anschluss an den Pfingstgottesdienst wird in der Kapitelsitzung das Ergebnis der Spendensammlung bekannt gegeben: Rund € 24.000.- können für den Sozialfond und für die Menschen im Heiligen Land verwendet werden. Statthalter Dr. Dickmann erinnert die Ordensmitglieder daran, dass außer Geldzuwendungen das Gebet für die Christen im Heiligen Land und der persönliche Kontakt zu den Patengemeinden der einzelnen Ordensprovinzen wichtig sei. Dennoch sei festzustellen, so der Statthalter, dass der Orden niemals seine Ziele vollständig erfüllen könne, denn immer wieder würden neue Aufgaben an uns herangetragen, die es gelte, anzupacken und neue Lösungen zu suchen und zu finden. Der Kanzler des Ordens, Cfr. Winfried Hinzen, berichtet von der geplanten Pilgerinvestitur in Jerusalem im September 2013. Die Hotels seien schon alle reserviert, betont der Kanzler. „Um die Investitur in Jerusalem herum werden Reisen durch das Heilige Land, die von den Provinzen zu organisieren sind, angeboten.“ Patriarch Fouad Twal empfinde die geplante Investitur als große Ehre für die Christen vor Ort und sagt die größte mögliche Unterstützung bei der Organisation zu.
Überall war er zu spüren bei der Frühjahrsinvestitur in Hamburg - der Heilige Geist: in den Predigten, in der wunderbaren Kirchenmusik, im Miteinander der Ordensmitglieder von Jung und Alt, in der Ökumene mit unseren evangelischen Mitchristen, in der lebendigen Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern und in der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Komturei St. Ansgar. Es bleibt nach Hamburg nur mit dem Gotteslob zu sagen: „Der Geist des Herrn durchweht die Welt, gewaltig und unbändig; wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig. Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid, Gott lobend: Halleluja!“
Csr. Cornelia Kimberger |
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