Investitur in Dortmund vom 23. - 25. April 2004

Vom 23. bis 25. April 2004 fand die Frühjahrsinvestitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Dortmund statt. Erstmals in ihrer Geschichte hatte die Komturei St. Meinolphus in die Westfalenmetropole eingeladen. Der Wirtschaftsstandort mit zahlreichen zukunftsorientierten Unternehmen war ein attraktives Ziel.

 
Prozession zur Investiturfeier in der Reinoldikirche
Ganz konnte es die junge Polizistin noch nicht glauben, die sich – kurz bevor sie beginnt, die feierliche Prozession der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem durch die dicht belebte Innenstadt von Dortmund anzuführen – mit zwei besonders fotogenen Rittern, die drei Köpfe länger sind als sie, ablichten ließ. „So viele Ritter habe ich noch nie gesehen“, gesteht sie. „Aber von der Fronleichnamsprozession habe ich schon einige Erfahrungen.“
Bei strahlendem Wetter formierte sich der Weg des Ritterordens vom Innenhof des Katholischen Centrums Richtung evangelische Reinoldikirche. Was anfangs von einigen erstaunten Passanten interessiert „beobachtet“ wurde, entwickelte sich schnell zu einem dichten Strom weißer und schwarzer Ordensmäntel über die Haupteinkaufszeile Dortmunds. „Wer seid Ihr denn?“, fragte ein junger Mann Cfr. Malangré, der die Situation professionell beantwortete: „Eine Gemeinschaft, die sich für andere im Heiligen Land engagiert.“ Der junge Mann wird es vielleicht am Vormittag oder nach der Investitur in der lokalen Zeitung gelesen haben. Das Presseecho war bei dieser Investitur besonders erfreulich. Petrus meinte es gut in Dortmund und während die Ritter durch die Stadt zogen, konnte sich unter dem prächtigen Geläut von katholischer und evangelischer Kirche kaum ein Innenstadtbesucher der Präsenz des Ordens entziehen.

Ökumenische Dimension

15 Kandidaten und drei Kandidatinnen, unter ihnen der Paderborner Weihbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, gehörten zur langen Prozession von über 300 Mitgliedern der Ordensgemeinschaft, die unter den Klängen der Großen Messe Nr. 3 von Anton Bruckner, gestaltet vom Essener Domchor mit der Russischen Kammerphilharmonie in der Reinoldikirche herzlich begrüßt wurden. Superintendent Hartmut Anders-Hoepgen und die Pfarrerin der Kirche, Christa Schaaf, nahmen an dem Gottesdienst teil. Anders-Hoepgen würdigte in seiner Begrüßung nicht nur das gute ökumenische Klima in Dortmund sondern auch das Wirken des Ritterordens: „Ihr Orden besteht seit Jahrhunderten und befolgt eine lange Tradition und hält sie lebendig. Eine so überaus wichtige Aufgabe, bei all dem, was Sie an Zielen und Einzelaufgaben aus dem christlichen Glauben heraus befolgen, gerade in einer Zeit, an dem der Ort der Tradition des Heiligen Grabes, Jerusalem, in einer so schwer geprüften Region, selbst im Zentrum von größten Spannungen liegt, alles mit daran zu setzen dass Frieden werde und Terror und Gewalt ein Ende finden. Gebe Gott, dass das Wirken Ihres Ordens dazu etwas beitragen kann.“

Der eindrucksvolle Bau der Dortmunder Stadtkirche aus dem 13. bzw. 15. Jahrhundert strahlte die Gastfreundschaft aus, die der Orden wiederholt und zuletzt während der Investitur in Görlitz durch die evangelische Kirche erfahren konnte. Großprior Bischof Dr. Anton Schlembach forderte Kandidaten und Ordensmitglieder auf, in einer Gesellschaft, in der Gott schnell vergessen werde, wieder neu von Gott zu sprechen: „Es ist Zeit, von Gott zu reden. Wir reden von Gott zuallererst durch unser Leben. Wer es mit uns zu tun bekommt, soll möglichst bald einfach feststellen: Dieser Mann, diese Frau hat es mit Gott zu tun. Gott gehört zu seiner, zu ihrer Identität“, so Bischof Schlembach.

Bereits am Tag zuvor war die Investiturfeier durch die Vigil in der katholischen Propsteigemeinde eröffnet worden. Hier wirkte – ebenfalls als ökumenisches Zeichen – der Bachchor von St. Reinoldi mit. Beim Empfang im Dortmunder Rathaus würdigte Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer die notwendige politische Ordnung einer Metropole. In der Vergangenheit sei die öffentliche Ordnung nur dann zu erreichen gewesen, wenn man in seinem Amt „weise, gerecht, besonnen und – wenn nötig – auch tapfer agierte“, so Langemeyer: „Ihnen sind diese Tugenden in Ihrer Ordensarbeit vertraut. Es sind die ritterlichen Tugenden. Doch zeigt das Beispiel, dass diese Tugenden nicht nur auf den Ritterstand beschränkt waren, sondern auch sehr wohl für die Bürgerschaft in verantwortlicher Aufgabe galten.“ Das sich anschließende Abendessen im Galerierestaurant des Versicherungskonzerns Signal-Iduna war nicht nur ein gelungener Auftakt sondern auch ein enger Geschichtsbezug zum Ritterorden. Der Versicherungspionier der Nachkriegszeit, Joseph Scherer, der Signal Iduna mit aufbaute und Bürgermeister von Dortmund war, galt als entscheidender Spiritus Rector für den Orden in der Region Westfalen. Scherer war der erste Ltd. Komtur in Dortmund.

Heimat vermitteln

Die Dortmunder Komturei St. Meinolphus mit ihrem Ltd. Komtur Cfr. Hans Gerd Wünnenberg hatten ein bewegendes Fest ausgerichtet. Ihr galt der Dank der Teilnehmer. Cfr. Wünnenberg erinnerte in seiner Ansprache an ein Wort Fjodor Dostojewskis: „Jeder braucht jemanden, zu dem er nach Hause kommt.“ Dieses Wort sei für die Dortmunder Programm, um etwas von Heimat während der Investitur zu vermitteln, so Wünnenberg. Das Wort Dostojewskis führe den Orden auf neue Weise zusammen: „Uns neu besinnen, uns unserer Orientierung vergewissern, aufs Neue bedenken, dass sich auch unsere Mitchristen im Heiligen Land nach häuslicher Geborgenheit sehnen, beraten, was wir tun können, sie entsprechende Verbundenheit, sie wärmende Fürsorge spüren zu lassen.“

Das Heilige Land war auch noch in anderer Form präsent, sehr sogar. In der Kapitelsitzung überraschte Cfr. Abt Benedikt Lindemann OSB mit seiner Anwesenheit und berichtete über die aktuelle Lage im Nahen Osten: „Die Situation wird von Tag zu Tag dramatischer. Christen müssen Schutzgelder bezahlen, wenn sie sich nicht an der Intifada beteiligen“, so Abt Benedikt. Im Caritas-Babyhospital von Betlehem würden zahlreiche Kinder mit Mangelerscheinungen eingeliefert, die Mauer löse einen für viele traumatischen Belagerungszustand aus. „Die einzige Hoffnung können wir noch in die Jugend setzen, die – vor allem auf israelischer Seite – kein Vertrauen mehr in ihre Politiker hat. Die Zahl der Militärdienstverweigerer nimmt stetig zu. In den Jugendlichen liegt die große Chance.“ Abt Benedikt betonte, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem Palästinenser und Israelis seien, die das Land verließen. Polnische Juden, die für ihre Einbürgerung nach Israel den Pass abgegeben hätten, ständen heute Schlange vor der polnischen Botschaft, um den alten Pass zurückzuerhalten und nach Europa oder Amerika zu fahren. Gleichzeitig bedauerte der Abt die zunehmenden Spannungen in der Ökumene: „Miteinander leben wir die Ökumene an der Basis, aber die theologischen Auseinandersetzungen nehmen an Schärfe zu.“ Die Klöster der Christen seien in dieser Zeit oftmals „Oasen in lauter Umgebung“. „Wenn es uns gelingt, von hier aus mit zu vermitteln, wollen wir uns dieser Aufgabe selbstverständlich stellen“, so Abt Benedikt. Csr. Brauburger, die erst kürzlich im Heiligen Land war, informierte ebenfalls aus aktueller Sicht über die dortige Situation.

Freundschaft schenken

Dortmund war eine würdige Investitur, die Stadt und Menschen näher gebracht hat. Feierlich wurde es noch einmal am Sonntag, als zum Pontifikalamt mit Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker die "Messe solennelle" für gemischten Chor und Orgel von Helmut Pieper uraufgeführt wurde. Erzbischof Becker erinnerte in seiner Predigt an die Bedeutung der Messfeier und warnte vor einer Verkürzung des Sonntags: „Manche Christen fürchten, durch Gebet und Gottesdienst käme das Weltgeschäft zu kurz. Die lange Geschichte der Benediktinerklöster zeigt, dass sie mit „ora et labora“ nicht schlecht gefahren sind, und nicht nur sie. Sicher stand in dieser langen Tradition das Tun nicht im Schatten, sondern in einer gesunden Zuordnung zur Einkehr und zum Gebet.“ Für die neuaufgenommenen Ordensmitglieder waren es bewegende Tage und auch Statthalter Prof. Dr. Paul Oldenkott freute sich über die Neuen sichtlich. Dabei war ihm eines bei aller Freude über die Investitur ein besonderes Anliegen: „Wir gedenken aber auch aller, die heute besonders aufgrund von Alter und Krankheit nicht unter uns sein können. Wir wünschen Ihnen eine gute Genesung und hoffen, dass sie bald wieder am Leben unserer Gemeinschaft aktiv teilhaben können.“ Für den Statthalter gab es noch einen Anlass zur Freude: Unter der Regie des Kanzlers der Deutschen Statthalterei sangen fast 600 Gäste während des Festabends ein Ständchen für den Jubilar. Der Statthalter war während der Investitur 70 Jahre alt geworden.

Cfr. Matthias Kopp

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