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Investituren
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Predigt des Großpriors S.E. Bischof Dr. Anton Schlembach (Speyer) beim Investiturgottesdienst des Ritterordens vom Hl. Grab zu Jerusalem am 7. Oktober 2006 in St. Ulrich und Afra in Augsburg![]() Befreiung ist deshalb Parole und Programm. Befreiung zur Ungebundenheit. Keine Bindung, schon gar keine Dauerbindung an andere, an Autoritäten, an Institutionen, an Traditionen, an Aufgaben, an Verpflichtungen, an Überzeugungen. Das ist die neue Freiheit des neuen Menschen. Und die Sexualität ist das Tor dieser Freiheit. Autonomie und Autarkie durch Emanzipation und Opposition, Verweigerung und Verneinung: Das ist Freiheit, das ist Leben. Das wahre Leben. Endlich. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte. Aber das Leben mit und aus diesem Freiheitsverständnis ist nicht lebbar. Das zeigt schon die Tatsache, dass diese total individualisierte Freiheit zu einer Überregulierung in allen Lebensbereichen geführt hat. Sie drohen zu einem Käfig zu werden. Auch bricht sich gerade bei jungen Menschen die Erkenntnis Bahn: eine bedingungslose, absolutistische Freiheitsvorstellung, die keinen Halt, kein Verantwortungsbewusstsein, kein Gewissen, keine Normen, keine Schuld, keine Scham kennt, macht alle kulturellen Voraussetzungen für Freiheit, für Selbstverwirklichung und Humanität zunichte. Bestenfalls wäre sie eine Narrenfreiheit. Tatsächlich ist sie zerstörerisch. Vor allem aber ist sie ein Selbstbetrug. Denn diese so verstandene Freiheit gibt es nicht. Nur als Fiktion, Illusion und Wunschdenken. Das wahre Leben besteht nicht in einem reinen Dahin-leben und erst recht nicht in einem schrankenlosen Sich-ausleben. Worin besteht es dann? In der gehörten Lesung aus dem alttestamentlichen Deuteronomium sagt Mose: "Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, hörst, indem du ihn liebst, auf seinen Wegen gehst und seine Gebote achtest, dann wirst du leben." Option für das Leben und Option für Gott sind identisch. Im Johannesevangelium sagt Jesus: "Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott zu erkennen." (Joh 17,3) Der Mensch ist nicht Ungebundenheit, sondern Beziehung. Seine Grundbeziehung ist die Beziehung zum Schöpfer. Eine Welt, die Gott ausbürgert, die Gott vergisst, verliert das Leben. In unserer westlichen säkularisierten Zivilisation wird dies offenkundig. Weil man das Leben haben will, sagt man "nein" zum ungeborenen Kind in der Abtreibung, denn es nimmt mir einen Teil meines Lebens. Sagt man "nein" zum leidenden und sterbenden Menschen in der so genannten Euthanasie. Sagt man "nein" zur Zukunft durch brutale Umweltzerstörung, durch unverantwortliche Staatsverschuldung, durch eine leichtfertige Verhütungsmentalität. Diese scheinbare Kultur des Lebens ist eine Antikultur des Todes. Das Leben wählen, sich für das Leben entscheiden bedeutet vor allem die Option für Gott im Glauben und die Beziehung zu Gott im Gebet. Zu welchem Gott? Zum Gott, der fern ist und sich gegenüber der Schöpfung gleichgültig verhält? Der harmlos und anspruchslos ist? In den man sich nicht verlieben kann und von dem man auch nichts zu befürchten hat? Von dem nichts zu erwarten ist? Der alles versteht, toleriert und absegnet? Ein bei uns weit verbreitetes Gottesbild. Ist es ein Gott, der zu Hass und Terrorismus, auch zu Selbstmordterrorismus verpflichtet? Der Gott des Lebens ist der Gott, der sein Antlitz in Jesus Christus gezeigt hat. "Das ist das ewige Leben, dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast", betet Jesus (Joh 17,3). Von sich selbst sagt er: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." (Joh 10,10) Wer Christus gewählt hat, hat nicht die Verneinung des Lebens gewählt, sondern das Leben in Fülle. Die christliche Lebensoption verwirk-licht sich in der praktizierten Gottes- und Nächstenliebe nach dem Vorbild Jesu, der Gottes- und Nächstenliebe in Person. Die Liebe Jesu und in ihr alle irdische Liebe hat sich unüberbietbar am Kreuz vollendet. Wo alles gegen Gott und gegen die Menschen sprach, hat Jesus zu Gott und den Menschen in Liebe Ja gesagt. So wurde aller Hass der Welt von der Liebe besiegt und dem Bösen endgültig eine Grenze gesetzt. Diese Liebe Jesu führte zur Auferstehung. Zum todüberlegenen, österlich vollendeten ewigen Leben. Es ist auch das immanente Ziel jeder Jesusoption, jeder Jesusnachfolge. Den Gott, der das Leben ist und der in Jesus Christus sein Leben mitteilt, finden wir in der Kirche. Sie ist das Volk Gottes und der Leib Christi. Die christliche Option für das Leben ist das Ja zu Gott in Christus in der Kirche. Ist das Leben mit Gott, mit Christus, mit der Kirche in einem. Der Mensch ist seinem Wesen nach nicht autonom, sondern theonom. Er ist seiner Natur nach auch nicht autark, sondern sozial, wir-bezogen. Diese Wir-Bezogenheit und Wir-Verwiesenheit erfüllen sich nicht in einem oberflächlichen, unverbindlichen Miteinander. Die Jugendlichen, die in den Diskotheken engste Nähe suchen und an tiefer Einsamkeit leiden, zeigen es. Menschliches Wir realisiert sich nur in wahrer mitmenschlicher Liebe. Ihre intensivste Form ist das Wir der Kirche. Sie ermöglicht und gewährt eine Kommunikation, die keine Grenzen und Hürden kennt. Nicht einmal der Tod bricht sie ab. Denn ihr Einheitsprinzip ist der auferstandene Jesus Christus. Eine tiefergehende Analyse der menschlichen Existenz ergibt: Der Mensch ist konstitutiv angelegt auf die Gemeinschaft mit Gott, mit Jesus Christus, mit der Kirche. Darauf geht sein tiefstes Verlangen. Die gelebte Gemeinschaft mit Gott - in Christus - in der Kirche: das ist das wahre Leben. Als Christen kennen wir dieses Leben. Als Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem versuchen wir, es zu leben und zu bezeugen. Das macht uns nicht besserwisserisch und überheblich. Aber es macht uns stolz. Stolz in dem Sinne, dass wir wissen, wer wir sind und was wir wollen. Stolz in dem Sinne, dass wir den christlichen Glauben, die katholische Kirche, den Auftrag unseres Ordens zu unserer Sache machen. Wohlverstandener Stolz ist ein Bewusstsein dafür, dass es viel zu verlieren gibt. Wir wissen um den Mehrwert des Christseins. Wir haben viel geschenkt bekommen. Wir haben deshalb viel zu verlieren. Wir dürfen es nicht verlieren, weil wir damit unser Bestes, weil wir damit unsere Identität verlieren würden. Wenn wir in der rechten Weise stolz sind, werden wir unser Lebenswissen und unser Lebensmodell auch verteidigen. Der Stolz auf unseren christlichen Glauben und auf unsere Ordenszugehörigkeit macht uns frei von falscher Rücksichtnahme, macht uns immun gegen falsche Verlockungen, macht uns unbeugsam gegenüber Versuchungen zur Untreue. Unser Stolz gründet in Maßstäben, die wir internalisiert haben. Seit 2000 Jahren erweisen sie sich als tragfähig. Wie sagt der Apostel Paulus?: "Wir rühmen uns. Wir rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes ... Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus." (Röm 5,2.11) ich und Afra in Augsburg |
Aktuelles
Vatikan-Newsletter Nr. XIX erschienenDie Juni-Ausgabe des Vatikan-Newsletter enthält eine Botschaft des Kardinal-Großmeisters und Berichte. Frühjahrsinvestitur in Hamburg mit über 700 TeilnehmernDie Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem hielt vom 21. bis 23. Mai 2010 ihre Investiturfeier in Hamburg ab. Komturei Essen besteht 50 JahreMit einem Pontifikalmat im Essener Dom feierte die Komturei St. Thomas Morus in Essen am Sonntag, dem 10. Mai 2010 ihr 50jähriges Bestehen. |