Investitur in Augsburg vom 6. - 8. Oktober 2006

Wegweisung vom Jerusalemkreuz - Unvergessliche Tage bei der Herbstinvestitur in Augsburg

Vom 6. bis 8. Oktober 2006 fand sich die Deutsche Statthalterei zur Herbstinvestitur in Augsburg ein. Unter dem Motto „Erbittet für Jerusalem Frieden!“ (Psalm 122,6) sollten es drei festlich-fröhliche Tage werden, die nachhaltig in Erinnerung blieben. Augsburg stand unübersehbar unter dem Zeichen des roten Jerusalemkreuzes. An allen Ecken tauchten freundliche Helfer auf, die mit dem fünffachen Kreuz als Handtafel den Investiturgästen den Weg wiesen. Verlaufen war nahezu unmöglich. Und selbst der zwölfjährige Benedikt fand nach dem Besuch in der weltberühmten Augsburger Puppenkiste bald wieder zu seiner besorgten Mutter zurück. Das Zeichen des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem wird dauerhaft in Augsburg verankert sein.

In der Vesper zur Eröffnung der Investiturfeier wurde in der Basilika St. Ulrich und Afra die neue Ordenstafel der gleichnamigen gastgebenden Komturei von Weihbischof Cfr. DDr. Anton Losinger gesegnet.
Auf die Schildhalter im großen Wappen des Ritterordens ging Cfr. Prälat Dr. Wilhelm Imkamp in seiner Predigt ein. Während Preußens Könige zwei wilde Männer mit schweren Keulen und die Bayern zwei wehrhafte Löwen ihrem Wappen zur Seite stellten, erfüllen im Ritterorden zwei Engel einen Verkündigungsauftrag. „Sie sind Herolde der Erlösung, sie deuten das leere Grab“, sagte Prälat Imkamp. Wobei ihre Verkündigung, ihr Dialog mit den Menschen, aus dem Lob Gottes entstehe. Aus ihrem Kult werde wiederum Kultur. Wo sich aber Kultur vom Kult entfernt, so mahnte der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, da hebe ein Scheppern an, ein „clash“ auf Englisch, das die Welt gegenwärtig so fürchtet. „Die Schildhalter unseres Wappens sind Dialogsymbole, die gerade in einer von Gewalt bestimmten Umwelt buchstäblich zu Hoffnungsträgern werden“, folgerte Prälat Imkamp.

Die Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkapellmeister Cfr. Reinhard Kammler, die im Verlauf der Herbstinvestitur öfter zu hören waren, vermieden natürlich jegliche Dissonanz und fesselten von Anfang an mit altklassischen Tonsätzen zu lateinischen Texten, etwa dem Hymnus auf die „Augusta felix civitas“, die glückliche Stadt, die sich eines heiligen Bischofs Ulrich („für sehr vieler Heil bestimmt“) rühmen kann. In der Kapitelsitzung im Rathaus sollten die Domsingknaben eine herrlich schwebende Motette singen und am Sonntag im Dom die Missa Laetatus sum von Tomas Luis da Victoria in drei Chören, bei deren zarten Echowirkungen in der Tat den Zuhörern sich das Herz freudig erhob.

Augsburg, die einst stolze Freie Reichsstadt, als deren eigentlicher Bürgermeister einst Kaiser Maximilian II. ausgerufen worden ist, erfreute die 700 Investitur-Gäste gleichermaßen mit altehrwürdigen Gebäuden und mit modernen Stätten wie dem Fuggersaal der IHK, einer architektonischen Komposition aus Glas, Beton und Holz. Die Ratskirche St. Peter am Perlach bot den 29 Kandidatinnen und Kandidaten die Gelegenheit, sich vor dem Bild der Maria Knotenlöserin auf ihren Auftrag im Orden zur nächtlichen Stunde einzustimmen. Cfr. Pater Dominik Kitta OPraem kam auf die Knotenpunkte in unserem Leben zu sprechen, in denen sich glückliche wie schlimmer Erfahrungen konzentrieren. Es seien Erkenntnis- und Entscheidungssituationen, die Klärung schaffen. Die Investitur möge auch so ein – positiv besetzter – Knotenpunkt sein, wünschte Kitta.

Im prächtigen Goldenen Saal des Rathauses von Elias Holl empfing Oberbürgermeister Dr. Paul Wengert den Ritterorden, nachdem zuvor ein Stockwerk tiefer in der Kapitelsitzung besorgniserregende Nachrichten aus dem Heiligen Land die Ritter und Ordensdamen aufrüttelten. Vor allem Cfr. Matthias Kopp schilderte aus eigener Anschauung, wie gespenstisch leer die Jerusalemer Altstadt dalag, als die Flüchtlinge aus Nordisrael nach Abklingen der Kämpfe im Libanon wieder nach Hause zurückgekehrt waren. Kaum ein Geschäftstreiben belebe die arabischen Suks. Wie es um das Auskommen dieser Bevölkerung bestellt ist, lässt sich unschwer ausmalen. Statthalter Cfr. Prof. Dr. Paul Oldenkott wies auf die verzweifelte Lage der Schulen hin, seit die Zahlungen aus Europa und USA eingefroren sind. Der Ritterorden müsse dringend einspringen, damit die Lehrer ihre Gehälter bekommen und der Betrieb der Patriarchatsschulen weitergehen kann – der vielleicht wichtigste Beitrag zur Normalisierung der schwierigen Verhältnisse. Diesem Zweck war auch die Kollekte gewidmet. Cfr. Michael Wirtz erinnerte an die unseligen Wirkungen des Sperrwalls, der Familien auseinander reißt und die Palästinenser von ihren Arbeitsplätzen trennt.
Zur öffentlichen Demonstration für den Ritterorden vom Heiligen Grab geriet der feierliche Einzug, angeführt von berittener Polizei, über die kaiserliche Maximilianstraße, den alten Prozessionsweg der Augusta Vindelicorum, in die Basilika St. Ulrich und Afra. Die Augsburger Allgemeine empfand den Aufmarsch in Ordensmänteln „in tugendhaftem Weiß“.
Welcher Art der Stolz der Ritter und Ordensdamen ist, beschrieb Großprior Bischof Dr. Anton Schlembach von Speyer in seiner Investiturpredigt. Sie wüssten um den „Mehrwert des Christseins“, ein Leben in Fülle in praktizierter Gottes- und Nächstenliebe. Ihr stellte Bischof Schlembach die Option auf Verweigerung und Verneinung um einer vermeintlichen Freiheit willen gegenüber. Diese total individualisierte Freiheit habe aber zu einer Überregulierung aller Lebensbereich geführt. „Sie droht zum Käfig zu werden.“ Die Zugehörigkeit zum Ritterorden vom Heiligen Grab mache indes immun gegen falsche Verlockungen und unbeugsam gegenüber Versuchungen zur Untreue.
Wehmut mischte sich in den Festabend in der dicht besetzten Augsburger Kongresshalle. Der Statthalter und der Großprior gaben ihren Abschied. Bischof Anton Schlembach hat in 16 Investituren 598 Damen und Herren in den Ritterorden aufgenommen. Immer sei er beeindruckt gewesen von der Zahl und der Qualität der Kandidaten. Überhaupt: „Ich habe immer den Glaubensmut bewundert, den ich vorgefunden habe in der Deutschen Statthalterei“, beteuerte der scheidende Großprior. Seine 15 Amtsjahre seien „ein großes Geschenk“ in seinem Leben gewesen. Habe er bei seiner Einführung gesagt, die Kirche in der westlichen Welt trage Züge der Ermüdung, so stelle er jetzt fest: „Ritterliche Menschen sind wach gegen jede Ermüdung und entschlossen zu jeder Auseinandersetzung.“ Zum neuen Großprior wurde S. E. Bischof Prof. Dr. Reinhard Marx von Trier ernannt, der am 19. Mai 1990 investiert worden ist.
S.E. Statthalter Prof. Dr. Paul Oldenkott ließ in seinen Abschiedsworten durchblicken, dass ihm die Beschlüsse der Consulta 2004 nicht unerheblichen Widerstand eingetragen hätten. Er habe immer nach einer Eintracht von Gesinnung und Lebensführung im Ritterorden gestrebt. Der Generalgouverneur des Ritterordens, S.E. Dr. Luigi Parola, dankte ihm für 15-jährige spirituelle Führung der Statthalterei. Sie gebe ein gutes Beispiel, wie junge Kandidaten in ein spirituelles Leben eingeführt werden, das zur Freude führt. Die Ordensmitglieder rief Parola auf, das Leben der Christen im Heiligen Land treu zu unterstützen. Sie stünden an der Grenzlinie zwischen westlicher und östlicher Zivilisation. Namens der 29 Neuinvestierten dankte Cfr. Dr. Klaus Donaubauer, der bischöfliche Finanzdirektor in Augsburg, für Ordensmitglieder, „die die Ziele und Grundsätze glaubwürdig und auf sympathische, offene Art vertreten und leben“. Die Freude über die Aufnahme sei keine vordergründige, „als hätten wir einen Orden verliehen bekommen“. Donaubauer fuhr fort: „Wir sind erst – und das ist nicht wenig – als tauglich befunden worden für eine besondere Sendung und Spiritualität.“

Größer denn je sei der Auftrag des Ritterordens vom Heiligen Grab, meinte der Augsburger Bischof Cfr. Dr. Walter Mixa am Sonntag im Pontifikalamt im Dom. Sie müssten für Friedensbereitschaft, Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit im Heiligen Land eintreten. In einer multikulturellen Gesellschaft sollten die Christen ins Gespräch kommen, anderen Religionen Respekt erzeigen, ohne die eigene Wahrheit zu verleugnen, sie vielmehr „leuchtend herausstellen“. „Unser Gott ist nicht Allah, sondern der Gott, der seinen Sohn in den Tod auf Golgotha gibt, damit wir seine Liebe ergriffen leben, die aus der Ehrfurcht vor dem Nächsten erwächst.“ Das sei das großartigste Gottesbild, betonte Bischof Mixa.

Cfr. Alois Knoller

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